Begrüßung
Guten Tag, sehr geehrter Herr Professor Doktor …,
ich möchte Ihnen nun die Patientin Erika Baumann vorstellen.
Sie ist 61 Jahre alt, 178 cm groß und wiegt etwa 73 kg. Der Körpermassindex (BMI) beträgt 23 (Normalbereich).
Aktuelle Anamnese
Die Patientin mit bekanntem Diabetes mellitus Typ 2 stellte sich vor etwa einer Stunde mit plötzlich aufgetretenem Schwindel, Asthenie, Visusminderung und Palpitationen vor.
Zusätzlich berichtete sie über Parästhesien der Extremitäten, Unruhe, Hyperhidrose, Lippenblässe sowie Verwirrtheit.
Begleitend berichtete die Patientin über Heißhunger.
Zudem berichtet sie über eine eingeschränkte Erinnerung an das Ereignis.
Die Beschwerden traten nach körperlicher Anstrengung auf und besserten sich im Rettungswagen deutlich nach oraler Glukosegabe (drei Stück Traubenzucker).
Es finden sich keine Hinweise auf Emesis, kein Schädel-Hirn-Trauma, Tremor, Paresen oder Plegien, keinen Bewusstseinsverlust, keine Konvulsionen und keinen Substanzabusus.
Die Patientin gab an, gestern Abend gegen 21 Uhr 20 Einheiten Insulin glargin (Toujeo®) injiziert zu haben.
Sie fügte hinzu, die letzte Mahlzeit sei am gestrigen Abend gewesen.
Ereignishergang:
Die Patientin berichtete, sie habe gestern Geburtstag gefeiert, drei Gläser Rotwein konsumiert und sei erst spät zu Bett gegangen. Als Geschenk habe sie von ihrem Sohn eine Fahrradtour erhalten, da sie regelmäßig am Wochenende Rad fahre.
Am heutigen Morgen habe zwar der Wecker geklingelt, sie habe jedoch verschlafen und sei direkt zum Treffpunkt gefahren. Daher habe sie lediglich einen Kaffee, jedoch kein Frühstück zu sich genommen. Um 9 Uhr habe die Tour begonnen.
Etwa eine halbe Stunde nach Beginn der Tour habe sie sich unwohl gefühlt und über Übelkeit geklagt, sei jedoch zunächst weitergefahren. Anschließend habe sie eine Pause einlegen müssen; ein Freund habe ihr ein Glas Cola gegeben, worunter es ihr kurzzeitig besser gegangen sei.
Nach etwa zwei Stunden sind die Symptome aufgetreten.
Die vegetative Anamnese
Die vegetative Anamnese ist unauffällig, mit Ausnahme einer stressbedingten Insomnie nach dem Tod des Ehemannes sowie einer Low-Carb-Diät mit daraus resultierender Gewichtsabnahme von etwa 4–5 kg in den letzten zwei Monaten. Seit längerer Zeit besteht eine Obstipation, die sich zuletzt durch eine Umstellung des Lebensstils gebessert hat.
Vorerkrankungen
Anamnestisch sind folgende Vorerkrankungen bekannt:
Seit dreieinviertel Jahren besteht ein Diabetes mellitus Typ 2, der im Rahmen wiederholter Mykosen diagnostiziert wurde.
Die initiale Therapie erfolgte mit Metformin, aufgrund persistierend erhöhter HbA1c-Werte wurde anschließend eine Insulintherapie eingeleitet.
Aufgrund unregelmäßiger Blutzuckerkontrollen ist der aktuelle Stoffwechselstatus nicht zuverlässig zu beurteilen.
Es bestehen keine Hinweise auf eine diabetische Nephropathie, Retinopathie, Neuropathie oder trophische Veränderungen. Kardiovaskuläre Vorerkrankungen sind nicht bekannt.
Bisher erfolgte keine stationäre Aufnahme; Episoden von Hypoglykämien in der Vergangenheit sind nicht dokumentiert.
Vor knapp vier Jahren bestanden eine intertriginöse Candidose rechts sowie eine Tinea pedis interdigitalis zwischen der vierten und fünften Zehe links.
Vor etwa einem Jahr berichtete die Patientin über gelegentliche Palpitationen. Daraufhin erfolgte eine kardiologische Vorstellung mit Durchführung eines Langzeit-EKGs, das ohne pathologischen Befund blieb.
Eine Hypercholesterinämie ist auch bekannt.
Es besteht eine Arthrose des rechten oberen Sprunggelenks, die konservativ behandelt wird.
Vor zwei Jahren kam es während eines Spanienaufenthalts nach einem Insektenstich zu einer Phlebitis der rechten Unterschenkelvene mit lokaler Schwellung, Rötung und Schmerzen. Die initiale Therapie mit Amoxicillin wurde aufgrund einer urtikariellen Reaktion abgesetzt; anschließend erfolgte eine Behandlung mit Azithromycin.
Voroperationen
Vor etwa 25 Jahren erlitt die Patientin nach einem Sturz aus circa drei Metern Höhe eine Fraktur des rechten oberen Sprunggelenks. Diese wurde operativ mittels Schraubenosteosynthese versorgt. Die Implantate wurden etwa ein Jahr postoperativ entfernt. Einige Jahre später traten erneut Schmerzen auf; es wurde eine Arthrose des Sprunggelenks als mögliche Komplikation diagnostiziert.
Hinweis: Wenn eine Aussage durch eine ärztliche Untersuchung objektiv bestätigt werden kann – zum Beispiel durch sichtbare Narben – ist der Indikativ angebracht. (In der Fachsprachprüfung findet keine körperliche Untersuchung statt.)
Gynäkologie
Die Patientin hat dreimal entbunden. Die ersten beiden Geburten erfolgten spontan, die dritte per Sectio caesarea aufgrund einer Makrosomie.
Seit sieben Jahren befindet sie sich in der Postmenopause und berichtet gelegentlich über vasomotorische Symptome in Form von Hitzewallungen.
Medikamente:
Metformin 500 mg 1-0-1
Acetylsalicylsäure 81 mg 1-0-0
Atorvastatin 20 mg abends
Diclofenac (Voltaren® Dolo) 25 mg bei Bedarf
Insulin glargin (Toujeo®) 20 Einheiten abends
———
Clotrimazol-Salbe (Canesten®) topisch
Hinweis: Wenn eine Aussage durch eine ärztliche Beobachtung objektiv bestätigt werden kann – zum Beispiel anhand eines Rezepts – ist der Indikativ angebracht.
Allergien
Es bestehen Allergien gegen Amoxicillin mit urtikarieller Reaktion, gegen Krustentiere mit Angioödem im Gesicht sowie gegen Wespenstiche mit Anaphylaxie, weshalb früher eine stationäre Behandlung erforderlich war und anschließend eine Hyposensibilisierung als Basistherapie durchgeführt wurde.
Noxen
Die Patientin ist seit fast 4 Jahren Nichtraucherin. Zuvor bestand über 35 Jahre ein Tabakkonsum von etwa einer halben Packung täglich, entsprechend ca. 17,5 Packungsjahren .
Der Alkoholkonsum beträgt etwa ein Glas Bier pro Woche. Hinweise auf Drogenabusus bestehen nicht.
Sozialanamnese
Die Patientin ist seit einem Jahr verwitwet, arbeitet als Sachbearbeiterin im Wohnungsamt und hat drei Kinder (eine 22-jährige Tochter, einen 19-jährigen Sohn und einen 15-jährigen Sohn). Die Tochter leidet an einer Zwangsstörung mit Handekzem und wird mit Sertralin sowie topischen Externa behandelt.
Familienanamnese
Die Mutter der Patientin ist 79 Jahre alt, leidet an einer Demenz und lebt in einem Pflegeheim. Seit zwei Tagen befindet sie sich aufgrund einer Verletzung des rechten Hüftgelenks nach einem Treppensturz stationär im Krankenhaus.
Der Vater verstarb vor 15 Jahren im Alter von 65 Jahren an einem Pankreaskarzinom.
Verdachts- und Differentialdiagnose
Meiner Einschätzung nach sprechen die anamnestischen Angaben vor dem Hintergrund eines bekannten Diabetes mellitus vor allem für eine Hypoglykämie. Dafür sprechen Symptome der Aktivierung des sympathoadrenalen Systems wie Hyperhidrose, Palpitationen und Blässe sowie neuroglykopenische Symptome wie Schwindel, Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit und Parästhesien.
Als Auslöser kommen Nüchternheit, körperliche Aktivität und die Insulinapplikation in Betracht.
Die deutliche Besserung nach Glukosegabe spricht stark für eine Hypoglykämie.
Für eine kardiale Ursache zeigen sich keine relevanten Symptome wie Thoraxschmerzen, Engegefühl oder Dyspnoe. Zudem wäre in diesem Fall keine Besserung durch Glukosegabe zu erwarten. Dennoch sind initiale diagnostische Maßnahmen wie ein EKG indiziert.
Neurologische Ausfälle bestanden nicht, sodass ein Apoplex oder eine transitorisch ischämische Attacke weniger wahrscheinlich ist.
Hinweise auf eine psychiatrische Störung bestehen nicht.
Einen Drogenkonsum verneint die Patientin; bei entsprechender Verdachtslage wäre ein toxikologischer Urintest zu erwägen
Diagnostische Abklärung
Als erste Maßnahme sollte der Blutzucker bestimmt werden. Hier ist eine stationäre Aufnahme indiziert, um die Blutzuckerwerte engmaschig zu überwachen und gegebenenfalls die Therapie anzupassen. Zudem ist während des stationären Aufenthaltes eine strukturierte Diabetesschulung von entscheidender Bedeutung.
körperliche Untersuchung
Nach der Anamnese sollte eine strukturierte körperliche Untersuchung erfolgen. Diese beginnt mit der Erhebung der Vitalparameter (Herzfrequenz, Blutdruck, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung und Temperatur), gefolgt von einer ausführlichen körperlichen Untersuchung. Bei Vorliegen einer Hypoglykämie können Symptome der Aktivierung des sympathoadrenalen Systems wie Hyperhidrose, Palpitationen und Blässe sowie neuroglykopenische Symptome wie Schwindel, Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit und Parästhesien auftreten. Anschließend sollte eine gezielte Untersuchung zum Ausschluss möglicher Komplikationen erfolgen, beginnend mit der Inspektion.
Es sollte auf typische Hautveränderungen wie Acanthosis nigricans und Nagelveränderungen geachtet werden. Anzeichen für mykotische Infektionen, insbesondere Interdigital- oder Nagelmykosen sowie intertriginöse Mykosen (z. B. unter der Brust bei Frauen), sind ebenfalls zu erfassen. Zusätzlich sind Hautbefunde wie Blässe, Zyanose, Ödeme, trophische Störungen oder Ulzera (mit Angaben zu Lokalisation, Größe, Rändern, Sekretion und Geruch) zur Beurteilung der peripheren Durchblutung zu überprüfen.
Bei vorhandenen Ödemen ist zu überprüfen, ob diese eindrückbar sind.
Eine Auskultation kann mögliche pathologische Strömungsgeräusche, wie beispielsweise Herzgeräusche im Sinne von Klappeninsuffizienzen oder Stenosen, aufzeigen.
Eine diabetische Fußuntersuchung sowie eine Funduskopie sind ebenfalls erforderlich.
|
Zusatzwissen |
|
|
Mikroangiopathie (Mikrovaskulär) |
Makroangiopathie (Makrovaskulär) |
|
Diabetische Retinopathie → Schädigung der retinalen Gefäße → Mikroaneurysmen, Blutungen, Exsudate, Gefahr der Erblindung. |
Koronare Herzkrankheit (KHK) → Angina pectoris, Myokardinfarkt. |
|
Diabetische Nephropathie → Glomeruläre Schädigung → Proteinurie, Mikroalbuminurie, später Niereninsuffizienz. |
Zerebrovaskuläre Erkrankung → TIA, ischämischer Schlaganfall. |
|
Diabetische Neuropathie → Schäden der kleinen Gefäße der peripheren Nerven → Sensibilitätsstörungen, Schmerzen, vegetative Symptome. |
Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) → Claudicatio intermittens, Ulzera, Amputationen. |
Laboruntersuchungen
Zur weiteren Abklärung sollten ein kleines Blutbild, Nüchternblutzucker (FBS), HbA1c, ein Lipidprofil (Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyzeride), Nierenfunktionsparameter (Kreatinin, Harnstoff, GFR), eine Blutgasanalyse zur Beurteilung des SäureBasenHaushalts, Elektrolyte sowie eine Urinanalyse inklusive Proteinurietest durchgeführt werden.
Elektrokardiogramm
Die Patientin weist mehrere Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen auf, daher sollte ein EKG durchgeführt werden, um mögliche Rhythmusstörungen, Ischämiezeichen oder Belastungen des Myokards zu erfassen.
Ein EKG wird durchgeführt, indem Elektroden auf der Haut des Brustkorbs, der Arme und Beine angebracht werden, um die elektrische Aktivität des Herzens aufzuzeichnen.
Konsile
Innere Medizin, Nephrologie, Ophthalmologie, Ernährungsmedizin / Diabetologie
Behandlung:
• Definition
• Blutzuckerkonzentration < 60 mg/dl: Patient kann symptomatisch sein oder auch nicht.
• Blutzuckerkonzentration < 40 mg/dl: Patient ist in der Regel symptomatisch.
• Blutzuckerkonzentration < 20 mg/dl: kann mit Krampfanfällen und Koma einhergehen.
• Symptome und klinische Zeichen
• Verschwommenes Sehen
• Schweißige Handflächen, generalisierte Hyperhidrose
• Tremor
• Heißhunger
• Verwirrtheit, Angst
• Periorales Kribbeln und Taubheitsgefühl
• Manche Patienten werden aggressiv und urteilen unangemessen. (Delir)
• Nächtliche Hypoglykämie: Alpträume, unruhiger Schlaf, starkes Schwitzen, morgendliche Kopfschmerzen, „Hangover“ am Morgen.
• Therapie
• Einnahme von 10–20 g schnell resorbierbarer Kohlenhydrate
• Wiederholung nach 15–20 Minuten, falls die Glukosekonzentration < 60 mg/dl bleibt oder der Patient weiterhin symptomatisch ist.
• Beispiele für Nahrungsmittel mit ca. 15 g Kohlenhydraten:
• Orangensaft, Grapefruitsaft oder Apfelsaft; normale (nicht light) Limonade → ½ Glas
• Traubensaft → ⅓ Glas
• Zucker → 1 Esslöffel oder 3 Stück Würfelzucker
• Bonbons → 5 Stück
• Glukosetabletten → 4 Tabletten
• Bei bewusstlosen Patienten:
• Glukagon 1 mg subkutan, intramuskulär oder intravenös (Ansprechzeit ca. 6 Minuten)
• Glukose 25 g intravenös (50 ml einer 50%igen Dextrose-Lösung; Ansprechzeit ca. 3 Minuten)
Maßnahmen zur Senkung kardiovaskulärer Risikofaktoren bei Patienten mit Diabetes mellitus:
• Gewichtsreduktion bei Übergewicht (Dies trifft hier nicht zu.)
• Regelmäßige körperliche Aktivität (Gehtraining, mindestens 3×/Woche) (Dies trifft hier nicht zu.)
• Rauchstopp (ggf. Nikotinersatztherapie oder Verhaltenstherapie) (Dies trifft hier nicht zu.)
• Eine strukturierte Diabetesschulung in einem Diabeteszentrum
• Diabetes mellitus:
Die Selbstkontrolle des Blutzuckers stellt ein wichtiges Instrument des Selbstmanagements für Patienten dar.
FBS < 130 mg/dl
HbA1c < 7 %
• Arterielle Hypertonie:
Zielwert: < 130/80 mmHg oder < 120/80 mmHg
• Hypercholesterinämie:
LDL-Zielwert < 70 mg/dl bei hohem kardiovaskulären Risiko
• Konsequente Fußpflege:
Tägliche Kontrolle, Vermeidung von Druckstellen und Infektionen
Medikamentöse Therapie:
• Da die Patientin ein hohes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse aufweist, sollte der Einsatz von Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) zur Thrombozytenaggregationshemmung in Erwägung gezogen werden. (Die Patientin nimmt es bereits ein.)
• Bei den meisten Patienten sollte nach der Diagnose zunächst eine Monotherapie mit Metformin begonnen werden. Wenn Metformin kontraindiziert ist oder schlecht vertragen wird, kann ein alternatives, für die Monotherapie zugelassenes Antidiabetikum eingesetzt werden.
• Metformin
• Wirkmechanismus:
Metformin senkt den Blutzuckerspiegel, indem es die hepatische Glukoseproduktion reduziert und die Insulinresistenz indirekt verbessert. Dabei verursacht es weder eine Gewichtszunahme noch Hypoglykämien. Zusätzlich wirkt es günstig auf die Plasmalipidwerte.
• Nebenwirkungen:
Zu Beginn treten häufig gastrointestinale Beschwerden wie Diarrhö, Blähungen, Appetitlosigkeit, abdominelle Schmerzen, Übelkeit oder ein metallischer Geschmack auf. Diese Nebenwirkungen lassen in der Regel im Verlauf nach. Daher sollte die Therapie mit einer niedrigen Dosis begonnen und langsam gesteigert werden.
• Das Risiko einer Laktatazidose steigt insbesondere bei Niereninsuffizienz, Leberinsuffizienz, erhöhtem Alkoholkonsum sowie bei der Anwendung jodhaltiger Kontrastmittel.
• bei eGFR < 30 ml/min ist Metformin kontraindiziert.
• Langzeitüberwachung:
Bei einer längerfristigen Therapie sollte alle 2–3 Jahre der VitaminB12Spiegel kontrolliert werden.
• Tageshöchstdosis: 1500 mg/Tag
• Nach den AACELeitlinien (American Association of Clinical Endocrinologists) sollte der Beginn einer Insulintherapie dringend in Erwägung gezogen werden, wenn der HbA1cWert > 10 % liegt.
|
Wirkstoffgruppe / Beispiel |
Mechanismus |
Indikationen (FDA) |
Nebenwirkungen |
|
Insulin |
Ersetzt oder ergänzt endogenes Insulin |
Monotherapie; kombinierbar mit jedem oralen Antidiabetikum |
Hypoglykämie, Gewichtszunahme, lokale Hautreaktionen |
|
DPP4Inhibitoren Sitagliptin, Linagliptin |
Hemmt DPP4 → steigert endogene Inkretine, ↑ Insulinsekretion, ↓ Glucagonsekretion |
Monotherapie oder Kombination (Metformin, SFU, TZD, Insulin) |
Kopfschmerzen, Nasopharyngitis, Hypoglykämie (v.a. mit SFU), Exanthem (selten) |
|
GLP1Rezeptoragonisten (Incretin-Mimetika) Exenatid, Ozempic, Liraglutid, (s.c./oral) |
Stimuliert Insulinsekretion, verzögert Magenentleerung, reduziert Glucagonsekretion, fördert Sättigung |
Monotherapie oder Kombination (Metformin, Sulfonylharnstoffe (SFU), Thiazolidindione (TZD), Insulin) |
GI-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall), Hypoglykämie (v.a. mit SFU), Gewichtsverlust, Pankreatitis-Berichte, obere Atemwegsinfekte |
|
Thiazolidindione (Glitazone) Rosiglitazon, Pioglitazon |
Verstärken Insulinwirkung in der Peripherie, ↑ Glukoseaufnahme in Muskel/Fettgewebe, ↓ hepatische Glukoseproduktion |
Monotherapie oder Kombination (SFU, TZD, Insulin) |
Anämie, Flüssigkeitsretention, Ödeme, Gewichtszunahme, Makulaödem, Frakturen (v.a. Frauen) |
• Arten von Insulin
• Schnellwirkende Insulinanaloga (z. B. Lispro, Aspart, Glulisin): Wirkeintritt nach 10–20 Min., Wirkung 2–4 h. → Einsatz zu Mahlzeiten.
• Intermediär wirkende Insuline:
NPHInsulin (Neutral Protamine Hagedorn): Wirkeintritt nach 1–2 h, Wirkdauer 12–18 h. → Meist zur Basisversorgung.
• Lang wirkende Insulinanaloga (Basalinsuline):
Glargin, Detemir, Degludec: Wirkeintritt 1–2 h, Wirkdauer bis zu 24–42 h. → konstante Grundversorgung, 1× täglich.
• Insulin wird subkutan gespritzt (unter die Haut, ins Fettgewebe).
Bauch (periumbilikal, mind. 2 cm Abstand zum Nabel) → schnelle Resorption
Oberschenkel (vorderseitig, seitlich) → langsamere Resorption
Oberarm (hintere Außenseite) → mittlere Resorption
Gesäß → langsamere Resorption
• Schätzung des gesamten täglichen Insulinbedarfs bei Typ-2-Diabetes:
• Der tägliche Insulinbedarf liegt bei etwa 0,7–1,5 Einheiten pro Kilogramm Körpergewicht.
• Der basale Insulinbedarf beträgt ungefähr 50 % des gesamten täglichen Insulinbedarfs.
• Insulinpumpe
Die Insulinpumpe ist ein kleines, tragbares Gerät, das kontinuierlich Insulin über einen Katheter in das subkutane Fettgewebe abgibt.
Abgabearten:
Basalrate: kontinuierliche kleine Mengen Insulin (meist kurzwirksames Analoginsulin) → ersetzt das Basalinsulin.
Bolusgabe: zusätzliche Insulindosen zu den Mahlzeiten oder zur Korrektur erhöhter Blutzuckerwerte.
Vorteile:
Physiologischere Insulinzufuhr
Flexiblere Lebensgestaltung und bessere Blutzuckerkontrolle
Verringerung schwerer Hypoglykämien
Besonders geeignet bei Typ1Diabetes oder instabiler Stoffwechsellage
Nachteile:
Hoher Schulungsaufwand
Technische Probleme möglich (Katheterverstopfung → Gefahr der Ketoazidose)
Kostenintensiv
Extra
Namen:
Kurt Hahn, Rupert Obermeier, Tom Jähriger
Berufe:
Die Patientin ist im Baumarkt in der Farbabteilung tätig.
Gymnasiallehrer für Geschichte
Beamter
Einzehlheiten:
Sie kam in Begleitung von Freunden mit dem Auto ins Krankenhaus.
Am nächsten Morgen verpasste er das Frühstück und nahm ohne Nahrungsaufnahme lediglich Kaffee zu sich, bevor er an einem lokalen Fußballturnier teilnahm. Während des zweiten Spiels traten typische Symptome einer Hypoglykämie auf.
Er trägt einen kontinuierlichen Glukosesensor am Arm, der den Blutzucker regelmäßig misst.
Er habe zuvor an Obstipation gelitten; nach Beginn der Metformintherapie sei der Stuhlgang breiig geworden und trete etwa zweimal täglich auf.
Seine Mutter habe ihm berichtet, dass eine Reaktion auf Penicillin bestehe; er selbst wisse dies nicht, da er bislang nie Penicillin eingenommen habe.
Er erklärte, dass er vor drei Stunden nach dem Heben eines etwa 50 kg schweren Mehlsacks Vertigo, Schwäche in den Beinen und einen Schweißausbruch verspürt habe. Er habe sich anschließend ins Bett gelegt und nach Einnahme eines Apfelsafts eine Besserung bemerkt. Danach sei ihm eine Tachykardie aufgefallen.
Vorerkrankungen:
Mykose in der rechten Leistenregion/ Tinea inguinalis rechts
Es besteht seit 10 Jahren eine Rhizarthrose (Daumensattelgelenksarthrose).
Tinea axillaris links.
Unterschenkelfraktur nach Sturzereignis, operativ mittels Plattenosteosynthese versorgt.
Vor zwei Jahren erlitt sie dort durch das Herabfallen eines Farbeimers eine Fraktur des Mittelfußes.
Es besteht eine benigne Prostatahyperplasie, behandelt mit Tamsulosin.
eine benigne Struma, teilweise Thyreoidektomie.
Fersenbeinfraktur
Es besteht seit 10 Jahren eine arterielle Hypertonie.
Bei ihm sei aufgrund eines Myokardinfarkts eine Herzkatheteruntersuchung mit PTCA durchgeführt worden.
Medikamente:
Daraufhin erwarb sie eigenständig Canesten® in der Apotheke und wendet es derzeit an.
Sozial:
Familien:
Mutter: Schlaganfall (Apoplex) vor einigen Jahren
Ihr Vater verstarb vermutlich an einem Nasennebenhöhlenkarzinom.
Fragen
1. Wann muss bei Patient:innen mit Diabetes mellitus eine chirurgische Beratung veranlasst werden?
Eine chirurgische Beratung ist insbesondere erforderlich bei diabetischem Fußsyndrom mit Ulzera, Infektionen, Gangrän oder drohender Amputation.
2. Was versteht man unter Calcium-Pyrophosphat-Diarthropathie (CPPD)?
CPPD ist eine Arthropathie durch Ablagerung von Calcium-Pyrophosphat-Kristallen in Gelenken, meist bei älteren Patienten. Ursachen sind Alter, Gelenkdegeneration, Stoffwechselstörungen (z. B. Hyperparathyreoidismus, Hämochromatose, Hypomagnesiämie) oder hereditäre Formen. Typische Symptome sind akute, gichtähnliche Arthritis mit schmerzhafter Schwellung, Rötung und eingeschränkter Beweglichkeit – häufig im Kniegelenk. Die Diagnose wird durch Nachweis von Kristallen in der Gelenkflüssigkeit sowie durch Röntgen (Chondrocalcinose) gestellt. Therapeutisch erfolgt die Behandlung symptomatisch mit NSAR, Colchicin oder Glukokortikoiden, während eine kausale Elimination der Kristalle nicht möglich ist.
3. Was ist ein Gymnasium? Welche weiteren Schulformen kennen Sie?
Ein Gymnasium ist eine weiterführende Schule, die zur allgemeinen Hochschulreife (Abitur) führt. Weitere Schulformen sind beispielsweise die Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gesamtschule und die Berufsschule.
4. Was ist ein Freundschaftsspiel und ein Turnier?
Ein Freundschaftsspiel ist ein sportlicher Wettkampf ohne offizielle Wertung, meist zu Trainings- oder Testzwecken. Ein Turnier ist ein Wettbewerb, bei dem mehrere Mannschaften oder Spieler gegeneinander antreten und ein Sieger ermittelt wird.
5. Wie nennt man die Angst vor engen Räumen? Was versteht man unter einer Phobie? Welche Phobien kennen Sie noch?
Die Angst vor engen Räumen nennt man Klaustrophobie. Eine Phobie ist eine unangemessene, oft krankhafte Angst vor bestimmten Situationen, Objekten oder Tätigkeiten. Weitere Beispiele sind die Höhenangst (Akrophobie), die Angst vor Spinnen (Arachnophobie) oder die Angst vor weiten Plätzen (Agoraphobie).
6. Was ist Long-COVID?
Long-COVID bezeichnet Beschwerden, die länger als vier Wochen nach einer akuten COVID-19-Infektion bestehen bleiben oder neu auftreten. Typische Symptome sind Erschöpfung (Fatigue), Konzentrationsstörungen, Luftnot, Husten und Muskelschmerzen.
7. Wie nennt man Tetanus im Alltag?
Im Alltag wird Tetanus auch Wundstarrkrampf genannt.
8. Wie erklären Sie einem Patienten einen Schnelltest auf Diabetes zur Selbstanwendung?
Ein schneller Diabetes-Test zur Selbstanwendung funktioniert ähnlich wie eine Blutzuckermessung. Sie stechen sich mit einer kleinen Lanzette in die Fingerbeere, geben einen Tropfen Blut auf einen Teststreifen, der in das Messgerät eingeführt wird, und nach wenigen Sekunden zeigt das Gerät den aktuellen Blutzuckerwert an. So können Sie einfach und schnell kontrollieren, ob Ihr Blutzucker im normalen Bereich liegt.
9. Was ist Glukosurie?
Das Auftreten von Glukose im Urin infolge einer Überschreitung der renalen Rückresorptionskapazität (Nierenschwelle, ca. 160–180 mg/dl Blutglukose).
10. Was versteht man unter dem Metabolischen Syndrom?
Unter dem Metabolischen Syndrom versteht man die Kombination mehrerer Risikofaktoren: abdominelle Adipositas, arterielle Hypertonie, Dyslipidämie (erhöhte Triglyzeride, erniedrigtes HDL) und Insulinresistenz bzw. Diabetes mellitus Typ 2. Es stellt einen wesentlichen Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen dar.
11. Was ist eine Ketoazidose und wie wird sie behandelt?
Die diabetische Ketoazidose ist eine akute Stoffwechselentgleisung infolge Insulinmangels mit Hyperglykämie, Ketonkörperbildung und metabolischer Azidose. Typische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Azetongeruch, Kussmaul-Atmung und Bewusstseinsstörungen. Die Behandlung umfasst Flüssigkeitssubstitution, intravenöse Insulingabe, Elektrolytausgleich (v. a. Kalium) sowie Therapie der auslösenden Ursache.
Diagnose der diabetischen Ketoazidose (DKA):
• Hyperglykämie (meist > 250 mg/dl)
• Metabolische Azidose (pH < 7,3, Bicarbonat < 18 mmol/l)
• Nachweis von Ketonkörpern im Blut oder Urin
Notizen
BMI
Berechnung des Body‑Mass‑Index
Der Body‑Mass‑Index ist ein Maß für das Verhältnis von Körpergewicht zur Körpergröße. Er wird errechnet, indem das Gewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Körperlänge in Metern geteilt wird. Bei einem Körpergewicht von 73 kg und einer Körpergröße von 1,78 m ergibt sich ein BMI von ungefähr 23, was im Bereich eines normalen Körpergewichts liegt.
Asthenie
Asthenie (Kraft‑ und Energielosigkeit)
Kurzbeschreibung: Unter Asthenie versteht man eine ausgeprägte generelle Schwäche und reduzierte körperliche oder psychische Belastbarkeit.
Visusminderung
Visusminderung (vermindertes Sehvermögen)
Kurzbeschreibung: Visusminderung bezeichnet ein subjektiv wahrgenommenes Nachlassen der Sehschärfe oder eine Einschränkung des Sehfeldes.
Mögliche Zusammenhänge: Akute Änderungen der Sehschärfe können viele Ursachen haben, darunter metabolische Störungen, mikro- oder makrovaskuläre Augenprobleme sowie refraktive oder neurologische Ereignisse. Bei einer Patientin mit Diabetes und plötzlicher, kurzzeitiger Visusminderung kommen sowohl vorübergehende Störungen (z. B. im Rahmen einer Hypoglykämie) als auch diabetesassoziierte okuläre Ursachen in Betracht und sollten klinisch abgeklärt werden.
Parästhesien
Parästhesien sind Missempfindungen wie Kribbeln, „Ameisenlaufen“ oder Brennen auf der Haut, die ohne äußeren Reiz auftreten.
Hyperhidrose
Hyperhidrose
Kurzbeschreibung: Übermäßiges Schwitzen, das lokal oder generalisiert auftreten kann.
Mechanismus: Schwitzen wird überwiegend durch sympathische Nerven gesteuert; die Schweißdrüsen reagieren dabei über cholinerge (acetylcholinvermittelte) Efferenzen des sympathischen Systems, nicht primär über adrenerge Rezeptoren.
körperlicher Anstrengung
Körperliche Anstrengung und Hypoglykämierisiko
Kernpunkt: Muskelarbeit steigert den Glukoseverbrauch, was den Blutzuckerspiegel senken kann.
Zusätzliche Faktoren: Besonders relevant ist dies, wenn gleichzeitig noch Insulin wirkt (z. B. nach Insulingabe), weil dann die Glukoseaufnahme in die Muskulatur erhöht bleibt. Auch eine unzureichende Gegenregulation durch Hormone wie Glukagon oder Adrenalin kann das Risiko einer symptomatischen Hypoglykämie erhöhen.
Tremor
Tremor
Definition: Tremor bezeichnet eine unwillkürliche, rhythmische Muskelzuckung, die sich als Zittern äußert.
Paresen
Paresen
Begriffserklärung: Paresen beschreiben eine partielle oder unvollständige Muskelschwäche beziehungsweise Teillähmung einer Muskelgruppe.
Plegien
Plegien
Bei einer Plegie handelt es sich um einen vollständigen Ausfall der motorischen Funktion in einer oder mehreren Körperregionen, z. B. als Hemiplegie oder Paraplegie. Typisch ist das vollständige Fehlen willkürlicher Bewegungen in der betroffenen Muskulatur.
Insomnie
Insomnie
Insomnie bezeichnet anhaltende Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen oder eine nicht erholsame Schlafqualität. Sie kann situativ durch belastende Lebensereignisse verstärkt werden.
Obstipation
Obstipation
Obstipation beschreibt eine anhaltende oder wiederkehrende erschwerte Stuhlentleerung, häufig mit selteneren und harten Stühlen sowie dem Gefühl unvollständiger Entleerung.
Diabetes mellitus
Diabetes mellitus
Kurzbeschreibung: Diabetes mellitus umfasst Stoffwechselstörungen, die durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet sind. Typ-1-Diabetes beruht auf autoimmuner Zerstörung insulinproduzierender Betazellen mit resultierendem absolutem Insulinmangel; Typ-2-Diabetes entsteht überwiegend durch Insulinresistenz kombiniert mit einer gestörten Insulinsekretion. Gestationsdiabetes ist eine vorübergehende Form erhöhter Glukosewerte, die in der Schwangerschaft auftritt.
intertriginöse
Intertriginöse Areale
Als intertriginöse Regionen werden Hautstellen bezeichnet, an denen zwei Hautflächen aneinanderliegen oder aneinander reiben (z. B. Achseln, Leisten, Unterbrustfalten, Hautfalten zwischen den Zehen). Diese Bereiche neigen wegen vermehrter Feuchtigkeit und mechanischer Belastung zu Irritationen und sekundären Infektionen, beispielsweise durch Hefepilze.
Palpitationen
Palpitationen
Palpitationen sind das subjektive Wahrnehmen von Herzschlägen, oft als Herzrasen, Stolpern oder Aussetzen. Häufig liegen harmlose Rhythmusstörungen wie supraventrikuläre oder ventrikuläre Extrasystolen vor; auch psychische Belastungen und Stress können solche Empfindungen auslösen. Ziel der Abklärung ist es, gefährliche Herzerkrankungen auszuschließen.
Langzeit-EKGs
Langzeit-EKG
Ein Langzeit-EKG ist eine ambulante, kontinuierliche Aufzeichnung des Elektrokardiogramms über meist 24–72 Stunden, mit der kurzzeitige oder intermittierende Rhythmusstörungen nachgewiesen werden können. Typische Indikationen sind die Abklärung von Palpitationen, Synkopen oder Schwindel sowie der Nachweis paroxysmaler Arrhythmien (z. B. Vorhofflimmern).
Hypercholesterinämie
Hypercholesterinämie
Unter einer Hypercholesterinämie versteht man einen erhöhten Cholesterinspiegel im Blut. Besonders relevant ist dabei das LDL-Cholesterin, da erhöhte Werte mit einem höheren Risiko für atherosklerotische Gefäßerkrankungen verbunden sind.
Sprunggelenks
Anatomie des oberen Sprunggelenks
Das obere Sprunggelenk besteht aus drei zentralen Knochen: dem Schienbein (Tibia), dem Wadenbein (Fibula) und dem Sprungbein (Talus). Der Talus bildet die Verbindung zwischen Unterschenkel und Fuß und artikuliert mit Tibia und Fibula, die die Gewichtsübertragung aus dem Oberschenkel auf den Fuß gewährleisten.
Phlebitis
Phlebitis – kurze Darstellung
Definition und Symptome: Eine Phlebitis ist die Entzündung einer oberflächlichen Vene, erkennbar an Schmerzen, Rötung, Überwärmung und oft einer tastbaren, strangartigen Verhärtung entlang der Vene.
Ursachen: Häufige Auslöser sind lokale Verletzungen der Vene, bakterielle Infekte oder iatrogene Eingriffe wie periphere Venenkatheter; auch ein Insektenstich kann eine lokale Entzündungsreaktion begünstigen.
Behandlung und Komplikationen: Die Versorgung richtet sich nach Ursache und Schweregrad und umfasst in der Regel symptomatische Maßnahmen (Schonung, Hochlagern der Extremität, lokale antiphlogistische Maßnahmen, Schmerztherapie). Bei nachgewiesener bakterieller Infektion kann eine systemische antibiotische Behandlung erforderlich sein. Mögliche Komplikationen sind die Ausbreitung auf tiefe Venen mit Thrombophlebitis sowie eine systemische Infektion.
Schraubenosteosynthese
Schraubenosteosynthese – Überblick
Definition: Die Schraubenosteosynthese ist ein operatives Verfahren zur Versorgung von Knochenbrüchen, bei dem Frakturfragmente über eine oder mehrere Knochenschrauben stabilisiert und in anatomischer Stellung gehalten werden.
Indikation und Ablauf: Sie wird eingesetzt, wenn eine stabile interne Fixation nötig ist, um Heilung und frühe Mobilisation zu ermöglichen. Die Schrauben können fragmentkomprimierend angebracht werden, um die Knochenkontakte zu sichern. In manchen Fällen werden die Implantate nach abgeschlossener Knochenheilung entfernt.
Mögliche Folgen: Zu den relevanten Komplikationen zählen Infektion, nicht vollständige Knochenheilung und langfristig posttraumatische Arthrose, insbesondere nach Gelenkbeteiligung.
Arthrose
Arthrose des Sprunggelenks – Kurzbeschreibung
Krankheitsbild: Arthrose ist ein degenerativer Gelenkprozess, beim oberen Sprunggelenk häufig Folge von vorangegangenen Frakturen oder Bandverletzungen; seltener tritt sie primär auf.
Klinik: Typische Merkmale sind belastungsabhängige Schmerzen, Schwellung, eingeschränkte Beweglichkeit und Gelenksteifigkeit.
Therapieprinzipien: Zunächst werden konservative Maßnahmen angestrebt, etwa schmerzlindernde Therapie, gezielte Physiotherapie, orthopädische Hilfsmittel und gegebenenfalls Gewichtsreduktion. In fortgeschrittenen Stadien werden operative Optionen wie Gelenkversteifung oder Endoprothetik in Erwägung gezogen.
Sectio caesarea
Sectio caesarea
Definition: Operative Entbindung, bei der das Kind über eine Bauchschnitt- und Gebärmutteröffnung herausgeholt wird.
Indikation: Eingesetzt, wenn vaginale Entbindung nicht möglich oder risikohaft ist (z. B. bei geburtshilflichen Komplikationen oder fetalen Risikokonstellationen).
Anästhesie und Ablauf: Häufig erfolgt die Operation unter regionaler Anästhesie (Spinal- oder Periduralanästhesie), seltener unter Allgemeinanästhesie. Der Eingriff umfasst einen transabdominalen Zugang und eine Inzision des Uterus, gefolgt von der Entbindung und Wundverschluss.
Risiken: Mögliche Komplikationen sind Blutverlust, Infektionen, Verletzungen benachbarter Organe sowie längerfristige Folgen wie Verwachsungen und Auswirkungen auf spätere Schwangerschaften.
Makrosomie
Makrosomie
Definition: Bezeichnung für ein deutlich erhöhtes fetales Geburtsgewicht; in der klinischen Praxis wird Makrosomie häufig mit einem Geburtsgewicht von etwa über 4000 g (bisweilen auch über 4500 g) beschrieben.
Ursachen: Häufigste Assoziation ist eine mütterliche Glukosestoffwechselstörung (z. B. Diabetes mellitus). Weitere Faktoren können genetische Disposition, pränatale Überernährung und höhere mütterliche Körpergröße sein.
Klinische Relevanz: Makrosomie kann das Geburtsgeschehen erschweren und das Risiko für Schulterdystokie, Geburtsverletzungen und Sectio caesarea erhöhen; neonatal treten erhöhte Risiken für metabolische Störungen auf.
Postmenopause
Postmenopause
Definition: Lebensphase, die beginnt, wenn seit der letzten Menstruation 12 Monate vergangen sind und die ovariellen Zyklen dauerhaft ausgefallen sind.
Klinische Merkmale: Typische Beschwerden in dieser Phase sind vasomotorische Symptome (z. B. Hitzewallungen), Veränderungen der urogenitalen Schleimhaut mit Trockenheit und eventuell Dyspareunie sowie ein erhöhtes Risiko für Osteoporose und kardiovaskuläre Erkrankungen.
Verlauf: Die Intensität der Symptome variiert individuell; einige Beschwerden nehmen mit der Zeit ab, andere Langzeitfolgen können einer spezifischen vorbeugenden oder therapeutischen Abklärung bedürfen.
Atorvastatin
Gruppe
Atorvastatin gehört zur Medikamentengruppe der Statine (HMG-CoA‑Reduktase‑Inhibitoren).
Wirkmechanismus
Es hemmt das Enzym HMG‑CoA‑Reduktase in der Leber, wodurch die endogene Cholesterinproduktion sinkt und insbesondere das LDL‑Cholesterin reduziert wird.
Anwendungen
Statine werden zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen und zur Verringerung des Risikos atherothrombotischer Ereignisse eingesetzt, sowohl in der Primär- als auch in der Sekundärprävention.
Wichtige Risiken und Hinweise
Meldungen umfassen Muskelschmerzen bis hin zur seltenen Rhabdomyolyse sowie Erhöhungen der Leberenzyme. Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln (z. B. über CYP3A4) können das Nebenwirkungsrisiko erhöhen und sollten geprüft werden.
Diclofenac
Gruppe
Diclofenac ist ein nichtsteroidales Antiphlogistikum (NSAR), das zur symptomatischen Behandlung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt wird.
Wirkmechanismus
Es vermindert die Produktion proinflammatorischer Prostaglandine durch Hemmung der Cyclooxygenase‑Enzyme.
Anwendungen
Diclofenac wird zur kurzzeitigen Linderung entzündungsbedingter und nichtentzündlicher Schmerzen sowie zur Behandlung rheumatischer Beschwerden eingesetzt.
Wichtige Risiken und Hinweise
Bedeutende Risiken umfassen gastrointestinale Komplikationen (z. B. Ulzera und Blutungen), kardiovaskuläre unerwünschte Ereignisse bei längerer Anwendung, Nierenfunktionsstörungen sowie allergische Reaktionen. Vorsicht ist bei Patienten mit erhöhtem Blutungs- oder kardiovaskulärem Risiko geboten.
Clotrimazol
Clotrimazol — topisches Antimykotikum
Gruppe: Azol‑Antimykotikum zur äußerlichen Anwendung.
Wirkung: Hemmt die Pilzzellmembranbildung durch Blockade von Ergosterol‑Syntheseschritten, dadurch fungistatische bzw. bei höheren Konzentrationen fungizide Effekte gegen Dermatophyten und Hefen.
Anwendung: Lokal zur Behandlung oberflächlicher Pilzinfektionen der Haut und Schleimhäute, z. B. Fußpilz oder lokale Candida‑Infektionen.
Wichtige Risiken: Meist lokale Reaktionen wie Hautrötung, Brennen oder Juckreiz; selten kann eine Kontaktdermatitis oder Überempfindlichkeitsreaktion auftreten. Systemische Nebenwirkungen sind bei üblicher äußerlicher Anwendung selten.
urtikarieller
urtikarieller — Bezug zur Urtikaria (Nesselsucht)
Begriffserklärung: “Urtikariell” beschreibt etwas, das mit Urtikaria zusammenhängt, also mit flüchtigen Quaddeln (Nesselsucht).
Klinische Merkmale: Urtikaria zeigt sich durch juckende, weiche, oft verschwundene Quaddeln auf der Haut; sie kann akut oder chronisch verlaufen und gelegentlich mit Angioödem einhergehen.
Ursachen und Relevanz: Auslöser sind vielfältig und reichen von Medikamenten und Nahrungsmitteln über Insektenstiche bis zu Infektionen oder physikalischen Reizen. Bei zusätzlichem Befall der Atemwege oder systemischen Symptomen besteht Handlungsbedarf.
Angioödem
Angioödem — tiefe, lokal begrenzte Gewebsschwellung
Definition: Beim Angioödem kommt es zu schmerzfreien Schwellungen der tieferen Hautschichten und Schleimhäute infolge gesteigerter Gefäßpermeabilität.
Typische Lokalisationen: Vorwiegend Lippen, Zunge, Gesicht und Schleimhäute des Rachens bzw. Kehlkopfes; insbesondere Kehlkopfbeteiligung kann zu Atemwegsverlegung führen.
Ursachen und Bedeutung: Ursachen sind allergische (IgE‑vermittelte) Reaktionen, medikamentös (z. B. bradykininvermittelte Reaktionen wie durch ACE‑Hemmer), erblich bedingte Störungen des C1‑Inhibitors oder Infekte. Befall der oberen Atemwege ist potenziell lebensbedrohlich.
Wespenstiche
Wespenstiche — medizinische Relevanz des Stichereignisses
Klinisches Bild: Ein Wespenstich führt typischerweise zu lokalem Schmerz, Rötung und Schwellung an der Einstichstelle. Bei sensibilisierten Personen können darüber hinaus systemische allergische Reaktionen auftreten.
Allergische Risiken: Bei einer IgE‑vermittelten Sensibilisierung kann ein Stich generalisierte Hautreaktionen, Angioödeme oder eine anaphylaktische Reaktion verursachen. Schwere systemische Reaktionen erfordern umgehende medizinische Beurteilung.
Therapeutische/präventive Aspekte: Bei bestätigter Wespenallergie kommt in geeigneten Fällen eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) in Frage; die Abklärung erfolgt durch Allergiediagnostik.
Hyposensibilisierung
Die Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) ist eine Behandlung, bei der wiederholt ein bestimmtes Allergen verabreicht wird, um das Immunsystem daran zu gewöhnen und allergische Beschwerden langfristig zu lindern.
Packungsjahren
Berechnung der Packungsjahre
Die Packungsjahre geben die kumulative Tabakexposition an. Ermittelt werden sie durch: (Anzahl der täglich gerauchten Zigaretten ÷ 20) × Anzahl der Rauchjahre. Dieses Maß dient zur Abschätzung des langfristigen Risikos für tabakassoziierte Erkrankungen.
Sachbearbeiterin
Sachbearbeiterin – Aufgabenprofil
Sachbearbeiterinnen übernehmen administrative und organisatorische Tätigkeiten. Dazu gehören Aktenführung, Bearbeitung von Anträgen und Schriftverkehr, Erstellung von Bescheiden sowie die Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern und internen Stellen. In einem Amt wie dem Wohnungsamt umfasst die Rolle häufig verwaltungsrechtliche Entscheidungen und koordinierende Tätigkeiten.
Zwangsstörung
Zwangsstörung (OCD)
Klinisches Bild
Bei einer Zwangsstörung treten wiederkehrende, als aufdringlich erlebte Gedanken oder Impulse sowie repetitive Verhaltensweisen oder mentale Handlungen auf, die der Betroffene ausführt, um Angst oder Unbehagen zu mindern.
Therapeutische Ansätze
Die bevorzugte psychotherapeutische Behandlung ist die kognitive Verhaltenstherapie, insbesondere Exposition mit Reaktionsverhinderung. Unterstützend können selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer eingesetzt werden. Begleitende dermatologische Maßnahmen sind bei belastenden Hautveränderungen wie Handekzemen relevant.
Handekzem
Definition:
Ein Handekzem bezeichnet entzündliche Veränderungen der Haut an den Händen, die sich als Rötung, Schuppung, Bläschenbildung, Trockenheit und ausgeprägter Juckreiz oder Brennen zeigen können.
Ursachen und Typen:
Handekzeme können unterschiedliche Ursachen haben: irritative Kontaktdermatitis durch wiederholten Kontakt mit Wasser oder Reizstoffen, allergische Kontaktdermatitis durch sensibilisierende Substanzen, atopisches Handekzem als Manifestation einer atopischen Veranlagung oder hyperkeratöse Formen. Berufliche Exposition und Hautbarrierestörungen spielen eine große Rolle.
Klinik:
Je nach Ursache variieren Befunde von akuten Bläschen und nässenden Bereichen bis zu chronischer Verdickung und rissiger Haut. Die Hände sind besonders belastet durch mechanische Belastung und Feuchtarbeit.
Therapie und Prävention:
Wesentlicher Ansatz ist das Meiden bzw. Minimieren auslösender Stoffe und konsequenter Hautschutz (Schutzhandschuhe, Hautpflegemittel). Regelmäßige Anwendung rückfettender Präparate ist zentral; bei entzündlichen Schüben kommen lokal antientzündliche Medikamente zum Einsatz. Bei Verdacht auf Allergie sollte eine gezielte Diagnostik erfolgen.
Komplikationen:
Chronische Veränderungen, sekundäre Infektionen und erhebliche Einschränkungen der Alltags- und Berufsaktivitäten sind möglich.
Demenz
Begriff und Charakteristik:
Demenz bezeichnet ein fortschreitendes Syndrom mit anhaltenden Störungen mehrerer kognitiver Domänen wie Gedächtnis, Orientierung, Sprache und exekutiven Funktionen, das Alltagsfähigkeiten beeinträchtigt.
Ursachen:
Verschiedene Erkrankungen können Demenzen verursachen; die Alzheimer-Krankheit ist eine häufige Ursache. Weitere Gründe sind vaskuläre Schädigungen, Lewy-Körperchen-Erkrankungen und andere neurodegenerative Prozesse.
Klinische Folgen:
Typische Folgen sind zunehmender Gedächtnisverlust, Orientierungsstörungen, verminderte Urteilsfähigkeit und Einschränkungen im selbständigen Leben.
Therapieprinzipien:
Eine kausale Heilung ist meist nicht möglich; durch pharmakologische und nichtmedikamentöse Maßnahmen kann das Fortschreiten und die Symptomatik in einigen Fällen verzögert oder gebessert werden. Bei bestimmten Demenzformen werden cholinesterasehemmende Wirkstoffe und N‑Methyl-D-Aspartat-(NMDA)-Modulatoren zur symptomatischen Behandlung eingesetzt. Diese Arzneimittel zielen auf kognitive Funktionen ab, haben aber auch mögliche Nebenwirkungen, die individuell abzuwägen sind.
Prognose:
Verlauf und Prognose hängen von der zugrundeliegenden Ursache, Komorbiditäten und therapeutischer Versorgung ab.
Hüftgelenks
Anatomie des Hüftgelenks:
Das Hüftgelenk ist ein tief gelegenes Kugelgelenk, das sich aus der Gelenkpfanne des Beckens (Acetabulum) und dem Gelenkkopf des Oberschenkelknochens (Caput femoris) zusammensetzt.
Beteiligte Strukturen:
Zur Gelenkstruktur gehören der knöcherne Pfannenrand, die Gelenkkapsel sowie die kräftigen Stabilisierungsbänder und die umgebende Muskulatur, die Bewegungen wie Beugung, Streckung, Ab- und Adduktion sowie Rotation ermöglichen.
Klinische Relevanz:
Bei Stürzen im höheren Alter können Frakturen oder Luxationen des Hüftgelenks auftreten; außerdem sind degenerative Veränderungen und entzündliche Prozesse mögliche Ursachen von Hüftschmerz und Bewegungseinschränkungen. Die anatomische Kenntnis ist wichtig für Diagnostik und operative bzw. konservative Beurteilung.
Pankreaskarzinom
Definition:
Das Pankreaskarzinom bezeichnet einen bösartigen Tumor der Bauchspeicheldrüse, überwiegend des exokrinen Pankreas, meist in Form eines duktalen Adenokarzinoms.
Risikofaktoren:
Rauchen, chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, metabolische Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Adipositas sowie familiäre Prädispositionen erhöhen das Risiko.
Klinische Präsentation:
Die Symptome variieren nach Lage des Tumors; Tumoren im Pankreaskopf können frühzeitig durch Verschluss der Gallenwege zu Ikterus führen, andere Lokalisationen verursachen unspezifische Bauchschmerzen, Gewichtsverlust oder neu auftretenden Diabetes.
Diagnose und Therapie:
Die diagnostische Abklärung umfasst bildgebende Verfahren und Gewebeentnahme. Die einzige Möglichkeit einer potenziell kurativen Behandlung besteht in der operativen Entfernung des Tumors; viele Erkrankungen werden jedoch erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt.
Prognose:
Die Erkrankung hat insgesamt eine ungünstige Prognose; die langfristigen Überlebenschancen sind im Vergleich zu vielen anderen soliden Tumoren gering.
Apoplex
Apoplex (Schlaganfall)
Kurzbeschreibung: Ein Apoplex ist ein plötzlich auftretendes neurologisches Ereignis, das durch eine akute Störung der Gehirndurchblutung entsteht.
Ursachen: Die Durchblutungsstörung kann durch einen Gefäßverschluss (ischämisch) oder durch eine Einblutung ins Hirngewebe (hämorrhagisch) verursacht werden.
Klinische Zeichen: Typisch sind neu aufgetretene neurologische Ausfälle wie halbseitige Schwäche oder Lähmung, Störungen der Sprache, Gesichtsfeldausfälle oder Bewusstseinsveränderungen.
Dringlichkeit: Ein Apoplex erfordert unverzüglich medizinische Abklärung und Behandlung, da schnellstmögliche Maßnahmen die Prognose beeinflussen können.
transitorisch ischämische Attacke
Transitorisch ischämische Attacke (TIA)
Definition: Eine TIA ist eine vorübergehende, durch eine kurzzeitige Minderdurchblutung des Gehirns ausgelöste neurologische Störung.
Klinische Merkmale: Sie äußert sich durch kurzzeitige Ausfälle wie Schwäche, Sprechstörungen oder Sehstörungen, die reversibel sind.
Dauer: Die Symptome bilden sich in der Regel vollständig zurück; nach klassischer Definition treten sie binnen 24 Stunden auf, häufig jedoch schon nach Minuten.
Bedeutung: Eine TIA ist ein Warnereignis für ein erhöhtes Schlaganfallrisiko und erfordert diagnostische und therapeutische Abklärung.
Blutdruck
Blutdruck (Messung)
Gerät und Bestandteile: Zur Blutdruckmessung wird eine aufblasbare Manschette verwendet; bei manueller Messung kommen Pumpball und Manometer sowie ein Stethoskop zum Einsatz.
Bedeutung: Der Blutdruck gehört zu den Vitalparametern und wird routinemäßig bei der Erstuntersuchung erfasst, um kardiovaskuläre Belastungen oder akute Abweichungen zu erkennen.
Anwendungshinweis: Die korrekte Lage der Manschette und standardisierte Messbedingungen sind wichtig für verlässliche Messwerte.
Atemfrequenz
Atemfrequenz
Die Atemfrequenz ist die Anzahl der Atemzüge pro Minute und gehört zu den Vitalparametern, die zu Beginn der Untersuchung erhoben werden. Beim Erwachsenen liegt die normale Frequenz typischerweise zwischen etwa 12 und 20 Atemzügen pro Minute. Werte oberhalb von 20 Atemzügen pro Minute deuten auf Tachypnoe hin, Werte unterhalb von 12 auf Bradypnoe.
Sauerstoffsättigung
Sauerstoffsättigung (SpO2)
Die Sauerstoffsättigung wird noninvasiv mit einem Pulsoxymeter erfasst, üblicherweise am Finger, Fingernagelbett oder Ohrläppchen. Das Gerät liefert einen Prozentwert, der den Anteil des oxygenierten Hämoglobins im arteriellen Blut widerspiegelt und als Teil der Vitalparameter dokumentiert werden sollte.
Temperatur
Körpertemperatur
Die Körpertemperatur kann an verschiedenen Messstellen bestimmt werden, etwa rektal, oral oder axillär. Bei der Untersuchung ist die gewählte Messmethode zu vermerken, da die Messorte in ihrer Genauigkeit und Vergleichbarkeit variieren.
peripheren Durchblutung
Periphere Durchblutung
Die periphere Durchblutung wird durch Inspektion der Haut (Farbe, Temperatur, Ödeme, trophische Veränderungen, Ulzera) und durch Palpation peripherer Pulse beurteilt. Wichtige tastbare Pulse am Unterschenkel und Fuß sind die Arteria tibialis posterior, die hinter dem inneren Knöchel zu erfühlen ist, und die Arteria dorsalis pedis, die auf dem Fußrücken seitlich der Sehne des großen Zehenstreckers liegt. Angaben zu Lokalisation und Beschaffenheit von Ulzera sind für die Beurteilung bedeutsam.
Fußuntersuchung
Diabetische Fußuntersuchung
Zweck: Früherkennung von Diabetesfolgeerscheinungen am Fuß, insbesondere Neuropathie, Durchblutungsstörungen, Druckstellen und Ulzera.
Bestandteile: Systematische Inspektion der Haut, Nagelverhältnisse, vorhandener Ulzera, lokaler Infektionszeichen, Fehlstellungen und Druckstellen. Palpation der Fußpulse zur Einschätzung der arteriellen Durchblutung. Sensibilitätstests zur Erfassung einer sensomotorischen Neuropathie, z. B. mit einem 10‑g‑Monofilament, einer Stimmgabel für Vibrationsempfinden oder temperaturbasierten Prüfungen.
Ziel der Untersuchung ist es, Risiken für Wunden und Amputationen früh zu erkennen und geeignete präventive oder therapeutische Maßnahmen einzuleiten.
Funduskopie
Funduskopie (Ophthalmoskopie)
Zweck: Direkte Beurteilung des Augenhintergrundes einschließlich Netzhaut, Sehnervkopf und retinaler Gefäße.
Befunde bei Diabetes mellitus: Typische Veränderungen sind Mikroaneurysmen, retinalen Blutungen, cotton‑wool‑Herde und ggf. Neovaskularisationen, die auf eine diabetische Retinopathie hinweisen können.
Befunde bei arterieller Hypertonie: Mögliche Zeichen sind generalisierte oder lokale Gefäßverengungen, arterio‑venöse Kreuzungszeichen, retinale Blutungen, harte Exsudate und in schweren Fällen Papillenödem.
Blutbild
Kleines Blutbild
Zweck: Basislabor zur Abklärung hämatologischer Veränderungen.
Inhalte und Nutzen: Das kleine Blutbild umfasst üblicherweise Hämoglobin und Hämatokrit sowie Parameter zu Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten. Es dient insbesondere dem Ausschluss einer Anämie und der ersten Einschätzung von Infektionen oder Störungen der Blutgerinnungskomponenten.
HbA1c
HbA1c
Bedeutung: Der HbA1c-Wert gibt Aufschluss über die mittlere Blutzuckerkontrolle über mehrere Wochen bis Monate.
Anwendung: Messwerte des HbA1c werden zur Diagnostik und zur Verlaufskontrolle bei Diabetes mellitus herangezogen, da sie die durchschnittliche glykämische Belastung über den vergangenen Zeitraum widerspiegeln.
Blutgasanalyse
Blutgasanalyse — Parameter und klinische Bedeutung
Untersuchungsbestandteile: pH, pO₂, pCO₂, HCO₃⁻, Base Excess (BE) und O₂‑Sättigung.
Bedeutung der Einzelwerte:
– pH: Aussage über den aktuellen Säure‑Basen‑Zustand des Blutes; hilft, Azidose oder Alkalose zu identifizieren.
– pO₂: Misst den Sauerstoffpartialdruck und liefert Informationen zur pulmonalen Oxygenierungsleistung.
– pCO₂: Reflektiert die ventilatorische Komponente; Veränderungen deuten auf Hypo‑ oder Hyperventilation hin.
– HCO₃⁻: Repräsentiert die metabolische Komponente der Säure‑Basen‑Regulation.
– Base Excess (BE): Quantifiziert die nicht‑respiratorische Abweichung vom Normalwert und unterstützt die Einschätzung metabolischer Störungen.
– O₂‑Sättigung: Gibt den Anteil des mit Sauerstoff gesättigten Hämoglobins an und ergänzt die Aussage zur Oxygenierung.
Klinische Anwendung: Die Blutgasanalyse dient der Beurteilung von Oxygenierung, Ventilation und Störungen des Säure‑Basen‑Haushalts; in der Regel wird sie aus arteriellem Blut gewonnen und bei respiratorischen oder metabolischen Problemen angefordert.
Patient/ inAnrede: Herr/Frau Oberarzt/Oberärztin ……….., Hiermit möchte ich Ihnen die Patientin Erika Baumann vorstellen. |
Datum19/08/2025 |
| Alter 61 Jahre | Gewicht 73 kg | Größe 178 cm |
Allergien (Stichwörter)
Amoxicillin → urtikarielle Reaktion
Krustentiere → Angioödem im Gesicht
Wespenstiche → Anaphylaxie (stationäre Behandlung + Hyposensibilisierung)
Genussmittel / Drogen (Stichwörter)
Ex-Raucherin (ca. 17,5 Packungsjahre, seit 4 Jahren Nichtraucherin)
Alkohol: ca. 1 Glas Bier/Woche
Drogenabusus: verneint
Sozialanamnese (Stichwörter)
Verwitwet seit 1 Jahr
Beruf: Sachbearbeiterin im Wohnungsamt
Drei Kinder (22-jährige Tochter mit Zwangsstörung, zwei Söhne, 19 und 15 Jahre)
Familienanamnese (Stichwörter)
Mutter: 79 Jahre, Demenz, Pflegeheim, aktuell stationär nach Hüftverletzung
Vater: verstorben mit 65 Jahren an Pankreaskarzinom
Medikamente (Stichwörter)
Metformin 500 mg 1-0-1
ASS 81 mg 1-0-0
Atorvastatin 20 mg abends
Diclofenac 25 mg bei Bedarf
Insulin glargin (Toujeo®) 20 IE abends
Clotrimazol-Salbe topisch
Anamnese (Vollsätze)
Die Patientin stellte sich vor etwa einer Stunde mit plötzlich aufgetretenem Schwindel, Asthenie, Visusminderung, Palpitationen, Parästhesien der Extremitäten, Unruhe, Hyperhidrose, Lippenblässe sowie Verwirrtheit vor.
Begleitend berichtete sie über Heißhunger und eine eingeschränkte Erinnerung an das Ereignis.
Sie gab an, dass die Beschwerden nach körperlicher Anstrengung (Fahrradtour) aufgetreten seien und sich im Rettungswagen nach oraler Glukosegabe deutlich gebessert hätten.
Keine Hinweise auf Emesis, Schädel-Hirn-Trauma, Tremor, Paresen, Plegien, Bewusstseinsverlust oder Konvulsionen.
Gestern Abend applizierte die Patientin 20 IE Insulin glargin, letzte Mahlzeit ebenfalls am Abend.
Die vegetative Anamnese ist unauffällig bis auf stressbedingte Insomnie, Low-Carb-Diät mit Gewichtsverlust (4–5 kg in 2 Monaten) sowie chronische Obstipation.
Vorerkrankungen:
DM Typ 2 seit 3,25 Jahren (initial Metformin, aktuell Metformin + Insulin)
Hypercholesterinämie
Arthrose OSG rechts
Mykosen (Candidose, Tinea pedis)
gelegentliche Palpitationen (unauffälliges LZ-EKG)
Phlebitis nach Insektenstich vor 2 Jahren (Amoxicillin-Allergie).
Voroperationen:
Schraubenosteosynthese OSG rechts vor 25 Jahren, später Arthrose.
Gynäkologie:
3 Geburten (2x spontan, 1x Sectio wegen Makrosomie), seit 7 Jahren Postmenopause mit Hitzewallungen.
Verdachtsdiagnose – Differentialdiagnose (Vollsätze)
Die Symptomatik spricht anamnestisch und klinisch am ehesten für eine Hypoglykämie, ausgelöst durch Nüchternheit, körperliche Belastung und Insulinapplikation. Dafür sprechen sympathoadrenale (Hyperhidrose, Palpitationen, Blässe) sowie neuroglykopenische Symptome (Schwindel, Verwirrtheit, Parästhesien) und die Besserung nach Glukosegabe.
Differenzialdiagnosen
kardiale Ursachen (z. B. Rhythmusstörung, ACS) – aktuell unwahrscheinlich
neurologische Ursachen wie TIA oder Apoplex – weniger wahrscheinlich
psychiatrische oder toxikologische Ursachen – anamnestisch nicht gesichert.
Weiteres Vorgehen – Therapie (Vollsätze)
Stationäre Überwachung des Blutzuckers und ggf. orale oder intravenöse Behandlung
Körperliche Untersuchung
EKG und ggf. weitere kardiologische Diagnostik zum Ausschluss kardialer Ursachen
Anpassung der Insulintherapie, Schulung zur Vermeidung erneuter Hypoglykämien/ Diabetesschulung
Unterschrift
Vorname Nachname
Mit freundlichen Grüßen
Um eine Simulation mit KI durchzuführen, laden Sie die PDF-Datei mit Prompt herunter und laden Sie sie anschließend in eine KI-Anwendung wie ChatGPT hoch.
Seite 1 · 1–20 / 78
ARZT: Guten Tag,
Mein Name ist Doktor Storch.
Ich bin heute als Assistenzarzt auf der Station tätig.
Ich würde gerne ein Anamnesegespräch mit Ihnen führen.
Falls Sie etwas nicht richtig verstanden haben oder Fragen haben, lassen Sie es mich bitte wissen.
Zunächst benötige ich einige persönliche Informationen, danach können wir fortfahren.
Wie heißen Sie?
PATIENTIN: Erika Baumann
ARZT: Könnten Sie bitte Ihren Vornamen und Nachnamen langsam buchstabieren?
PATIENTIN: Natürlich
Mein Vorname: E, R, I, K, A
Und mein Nachname: B, A, U, M, A, N, N
ARZT: Zuallererst möchte ich gern in Erfahrung bringen, ob Sie die Schmerzen beziehungsweise Beschwerden als erträglich empfinden, Frau Baumann?
PATIENTIN: Im Rettungswagen habe ich Traubenzucker bekommen.
Deshalb fühle ich mich jetzt besser.
ARZT: Wie alt sind Sie, Frau Baumann?
PATIENTIN: Ich bin einundsechzig Jahre alt.
ARZT: Wann genau sind Sie geboren?
PATIENTIN: Ich hatte gestern Geburtstag.
ARZT: Ach so – dann nachträglich alles Gute zum Geburtstag!
Also, Sie sind am siebzehnten November 1965 geboren?
PATIENTIN: Vielen Dank, Genau, Herr Doktor.
ARZT: Wie groß sind Sie?
PATIENTIN: Ich bin hundertachtundsiebzig Zentimeter.
ARZT: Wie viel wiegen Sie?
PATIENTIN: Ich wiege etwa dreiundsiebzig Kilo.
ARZT: Wie heißt Ihr Hausarzt beziehungsweise Ihre Hausärztin?
PATIENTIN: Meine Hausärztin heißt Doktor Karla Scholz.
ARZT: Was führt Sie heute zu uns?
PATIENTIN: Wissen Sie, Herr Doktor, gestern hatte ich Geburtstag.
Ich habe drei Gläser Rotwein getrunken und bin ziemlich spät ins Bett gegangen.
Als Geschenk habe ich von meinem Sohn eine Fahrradtour bekommen – ich fahre nämlich regelmäßig Rad, besonders am Wochenende.
Eigentlich hat der Wecker heute Morgen geklingelt, aber ich habe verschlafen. Dann musste ich direkt zum Treffpunkt fahren. Um neun Uhr hat die Tour angefangen.
Nach ungefähr einer Stunde sind die Beschwerden zum ersten Mal aufgetreten, die wurden nach einem Glas Cola erst mal besser.
Wir sind dann weitergefahren. Aber nach zwei Stunden habe ich mich richtig benommen und kraftlos gefühlt. Deshalb haben meine Freunde den Rettungsdienst gerufen.
Dort habe ich Traubenzucker bekommen, und danach ging es mir deutlich besser.
ARZT: Wurde Ihr Blutzuckerspiegel im Rettungswagen gemessen?
Wissen Sie noch, wie hoch er war?
PATIENTIN: Ja, die Sanitäter haben gleich den Blutzucker gemessen.
An den genauen Wert kann ich mich nicht erinnern, aber er war wohl ziemlich niedrig.
ARZT: Gut, dann messe ich jetzt gleich noch einmal Ihren Blutzucker.
Wie viel Traubenzucker haben Sie genommen?
PATIENTIN: Im Rettungswagen habe ich drei Stücke bekommen.
ARZT: Leiden Sie an irgendwelchen Herzerkrankungen oder Rhythmusstörungen?
PATIENTIN: Vor etwa einem Jahr hatte ich manchmal Herzklopfen.
Deshalb war ich bei einem Herzspezialisten.
Es wurde ein Langzeit-EKG gemacht, aber da kam nichts Auffälliges raus.
ARZT: Hatten Sie in letzter Zeit wieder Herzklopfen?
PATIENTIN: Nur wenn ich schneller Fahrrad fahre, sonst eigentlich nicht.
ARZT: Hatten oder haben Sie Brustschmerzen, ein Engegefühl oder Atemnot?
PATIENTIN: Nein, sowas hatte ich bisher nicht.
ARZT: Haben Sie eine Muskelschwäche, Lähmungen in einem Ihrer Gliedmaßen oder etwas Auffälliges im Gesicht bemerkt?
PATIENTIN: Nein, das ist mir bisher nicht aufgefallen.
ARZT: Welche Symptome hatten Sie dabei?
PATIENTIN: Etwa eine halbe Stunde nach Beginn der Tour habe ich mich schlecht gefühlt, mir war übel, aber ich bin trotzdem weitergefahren.
Dann musste ich eine Pause machen, und ein Freund hat mir ein Glas Cola gebracht.
Danach ging es mir kurz besser.
Etwa zwei Stunden später wurde mir schwindelig, ich habe verschwommen gesehen, hatte Herzstolpern und so ein komisches Gefühl in den Armen und Beinen – wie Ameisenlaufen.
Außerdem war mein Gleichgewicht gestört, ich konnte nicht mehr richtig gerade laufen.
ARZT: Haben Sie sich dabei vielleicht verletzt?
PATIENTIN: Nein, ich habe mir nichts getan.
ARZT: Hatten Sie auch Hunger?
Wann haben Sie zuletzt etwas gegessen?
PATIENTIN: Ja, ich hatte richtig Kohldampf.
Heute Morgen hatte ich es eilig, deshalb habe ich nicht gefrühstückt – nur ein Glas schwarzen Kaffee habe ich getrunken.
Das letzte Mal richtig gegessen habe ich gestern Abend.
ARZT: Haben Sie zusätzlich Unruhe, vermehrtes Schwitzen oder Zittern bemerkt?
PATIENTIN: Ja, ich war ziemlich unruhig und habe stark geschwitzt, Zittern hatte ich aber nicht.
Seite 2 · 21–40 / 78
ARZT: Wurde Ihnen berichtet, dass Sie blasser als sonst aussahen?
PATIENTIN: Ja, Ein Freund von mir meinte, meine Lippen seien ganz weiß geworden.
ARZT: Haben Sie das Bewusstsein verloren?
PATIENTIN: Nein
ARZT: Hatten Sie Zuckungen?
PATIENTIN: Nein
ARZT: Gab es Kopfschmerzen oder Konzentrationsprobleme?
PATIENTIN: Ja, ich konnte Fragen nicht mehr richtig verstehen und beantworten.
An vieles in der Zeit nach Beginn der Beschwerden kann ich mich gar nicht mehr genau erinnern, bis ich dann den Traubenzucker bekommen habe.
ARZT: Darf ich Sie fragen, ob Sie gestern etwas Besonderes konsumiert haben?
Ich meine zum Beispiel Drogen oder Tabletten.
PATIENTIN: Ja, natürlich können Sie fragen.
Aber nein – ich habe nichts genommen.
ARZT: Haben Sie sich übergeben?
PATIENTIN: Nein, ich musste mich nicht übergeben.
ARZT: Leiden Sie an einer Blutzuckerkrankheit?
Seit wann genau?
PATIENTIN: Ja, seit ungefähr dreieinviertel Jahren.
ARZT: Wie wurde die Diagnose gestellt?
PATIENTIN: Vorher hatte ich einmal eine Pilzinfektion unter der rechten Brust und ein anderes Mal zwischen den linken vierten und fünften Zehen.
Danach hat meine Hausärztin einige Untersuchungen gemacht, und so wurde die Diagnose bestätigt.
ARZT: Messen Sie Ihren Blutzucker zu Hause?
Wie oft?
PATIENTIN: Nicht immer, wahrscheinlich so zwei Mal pro Woche.
ARZT: Das ist etwas wenig.
Damit wir Ihre Werte besser beurteilen können, wäre es wichtig, dass Sie regelmäßiger messen – am besten täglich zu festen Zeiten, zum Beispiel morgens nüchtern und ab und zu auch nach dem Essen.
Alternativ könnten wir auch über einen Blutzuckersensor sprechen, damit Sie die Werte leichter im Blick behalten.
Welche Behandlungen haben Sie bisher bekommen?
PATIENTIN: Am Anfang hat mir meine Ärztin Metformin verschrieben.
Aber nach etwa einem Jahr meinte sie, die Langzeitzuckerwerte seien nicht zufriedenstellend.
Deshalb habe ich dann Insulin bekommen.
ARZT: Wann haben Sie zuletzt Insulin gespritzt?
PATIENTIN: Gestern Abend um 21 Uhr.
ARZT: Wie heißt das Insulin und wie viel haben Sie gespritzt?
PATIENTIN: Insulin Toujeo, 20 Einheiten.
ARZT: Bitte beachten Sie: Bei Insulin kann es zu einer Unterzuckerung kommen – vor allem, wenn Sie zu viel spritzen, nichts essen oder sich stark körperlich anstrengen.
Wenn Sie Symptome wie Schwindel, Herzrasen, Schwitzen, Angst oder Zittern bemerken, messen Sie sofort Ihren Blutzucker und nehmen Sie Traubenzucker oder etwas Süßes, zum Beispiel ein Glas Saft.
Tragen Sie bitte immer Traubenzucker oder etwas Süßes bei sich.
Außerdem können Sie in vielen Einrichtungen, zum Beispiel in Krankenhäusern oder Diabeteszentren, eine Schulung zur Blutzuckerkrankheit besuchen.
Dort erhalten Sie wertvolle Informationen und Tipps für den Alltag.
Wo spritzen Sie Ihr Insulin genau? Haben Sie an den Einstichstellen irgendwelche Hautveränderungen bemerkt, zum Beispiel Rötungen, Knötchen, Verdickungen oder Verhärtungen?
PATIENTIN: Ich spritze meistens in den Bauch und ab und zu in den Oberschenkel.
Hautveränderungen habe ich bisher nicht bemerkt – keine Rötungen oder Knötchen.
ARZT: Haben Sie heute Metformin eingenommen?
PATIENTIN: Nein
ARZT: Warum schwankten die Werte bei Ihnen?
PATIENTIN: Ehrlich gesagt, ich habe mich nicht immer an den Ernährungsplan gehalten.
Außerdem war ich in Stressphasen unregelmäßig mit den Tabletten.
ARZT: Das erklärt die Schwankungen.
Wichtig ist, dass Sie Ernährung und Medikamente regelmäßiger einhalten.
Sie könnten sich zum Beispiel einen Tablettenplan ins Handy eintragen.
PATIENTIN: Vielen Dank für die hilfreichen Hinweise, Herr Doktor.
ARZT: Wie oft nehmen Sie Metformin, und in welcher Dosierung?
PATIENTIN: Ich nehme 500 , zweimal täglich.
ARZT: Hatten Sie in letzter Zeit häufiger Durst, Hunger oder vermehrtes Wasserlassen?
PATIENTIN: Nein, das ist mir nicht aufgefallen.
ARZT: Hatten Sie bisher irgendwelche Probleme mit den Augen oder mit den Nieren?
PATIENTIN: Nein, nicht dass ich wüsste.
ARZT: Wann haben Sie zuletzt einen Augenarzt aufgesucht?
PATIENTIN: Bisher noch nie.
Muss ich das machen?
ARZT: Ja, auf jeden Fall. Regelmäßige Augenuntersuchungen sind sehr wichtig, weil man damit frühzeitig Veränderungen an der Netzhaut erkennen und behandeln kann, bevor es zu bleibenden Schäden kommt.
Haben Sie manchmal ein kribbelndes Gefühl, so als würden Ameisen über die Haut laufen – besonders an den Füßen?
PATIENTIN: Nein, so etwas habe ich bisher noch nie gehabt.
Seite 3 · 41–60 / 78
ARZT: Ist Ihnen eine Wunde oder eine Fehlstellung an den Füßen aufgefallen?
PATIENTIN: Nein, meine Füße sind eigentlich unauffällig, da habe ich nichts bemerkt.
ARZT: Haben Sie Veränderungen an den Nägeln oder Haarausfall an den Füßen festgestellt?
PATIENTIN: Nein, auch da ist mir nichts aufgefallen.
ARZT: Haben Sie in letzter Zeit bemerkt, dass Ihre Haut oder Schleimhäute blasser sind als sonst?
PATIENTIN: Nein, ich habe in letzter Zeit keine Veränderungen bemerkt.
ARZT: Haben Sie Fieber, Nachtschweiß oder Schüttelfrost?
PATIENTIN: Nichts.
ARZT: Wie ernähren Sie sich?
PATIENTIN: Ich habe in den letzten zwei Monaten eine Low-Carb-Diät gemacht.
Das heißt, ich habe weitgehend auf Nudeln, Brot und Süßigkeiten verzichtet und mehr Gemüse, Fisch und mageres Fleisch gegessen.
Aber wissen Sie, Herr Doktor, manchmal kann ich mich bei Süßigkeiten einfach nicht zurückhalten
ARZT: Das ist völlig verständlich, Frau Baumann.
Sie machen das wirklich gut.
Niemand kann immer perfekt verzichten.
Wichtig ist nur, dass Sie insgesamt auf Ihre Ernährung achten und Süßigkeiten in kleinen Mengen genießen.
Hat sich Ihr Gewicht in letzter Zeit verändert?
Wie viel und in welchem Zeitraum?
PATIENTIN: Ja, ich habe in den letzten zwei Monaten ungefähr vier bis fünf Kilo abgenommen.
ARZT: Prima, Wie ist Ihr Schlaf?
PATIENTIN: Mein Mann ist vor einem Jahr an Darmkrebs verstorben.
Seitdem habe ich oft Probleme einzuschlafen – manchmal dauert es zwei Stunden, bis ich endlich schlafen kann.
ARZT: Herzliches Beileid. Was machen Sie dagegen?
PATIENTIN: Ich nehme Baldrian-Dragees, und außerdem gehe ich regelmäßig Radfahren, das hilft mir etwas.
ARZT: Sport zu treiben ist eine sehr kluge Wahl.
Bewegung hilft nicht nur beim Schlafen, sondern wirkt sich auch positiv auf den Blutzucker, den Kreislauf und das allgemeine Wohlbefinden aus.
Haben Sie Veränderungen beim Stuhlgang bemerkt?
PATIENTIN: Seit längerer Zeit habe ich mit Verstopfung zu tun.
In den letzten Monaten ist es aber besser geworden – vor allem durch mehr Bewegung und meine Ernährung.
ARZT: Wie wurden die Pilzinfektionen damals behandelt?
PATIENTIN: Mit Canesten-Salbe.
Ich musste die betroffenen Stellen zwei- bis dreimal am Tag eincremen.
ARZT: Wann war das?
PATIENTIN: Unter der Brust vor etwa vier Jahren und zwischen den Zehen vor ungefähr dreieinhalb Jahren.
ARZT: Leiden Sie noch an anderen chronischen Erkrankungen?
PATIENTIN: Vor zwei Jahren im Sommer war ich im Urlaub in Spanien. Dort wurde ich von einem Insekt gestochen, und eine Vene am rechten Unterschenkel hat sich entzündet – sie wurde dick, rot und schmerzhaft. Dann hat man mir Amoxicillin verschrieben.
Nach der Einnahme bekam ich einen juckenden Ausschlag am ganzen Körper.
Deshalb wurde das Medikament sofort abgesetzt, und anschließend habe ich Azithromycin bekommen.
ARZT: Gibt es noch etwas, das Sie erwähnen möchten?
PATIENTIN: Ja. Vor etwa 25 Jahren hatte ich einen Kletterunfall aus ungefähr drei Metern Höhe.
Dabei habe ich mir das rechte Sprunggelenk gebrochen.
Das wurde damals operiert und mit Schrauben versorgt.
Einige Jahre später hatte ich dort wieder Schmerzen, und man hat mir gesagt, dass das Gelenk inzwischen verschlissen ist.
ARZT: Wann wurden die Schrauben entfernt?
PATIENTIN: Etwa ein Jahr nach der Operation.
ARZT: Welche Behandlungen haben Sie bisher gegen den Gelenkverschleiß bekommen?
PATIENTIN: Bei Bedarf habe ich Voltaren Dolo 25 genommen, ungefähr an drei bis vier Tagen im Monat.
Sonst eigentlich keine weiteren Behandlungen.
ARZT: Nehmen Sie zusätzlich auch Magenschutzmedikamente wie Famotidin oder Pantoprazol?
PATIENTIN: Nein
ARZT: Da Schmerzmittel wie Voltaren den Magen reizen können, wäre es sinnvoll, bei häufiger Einnahme zusätzlich einen Magenschutz einzunehmen.
Hatten Sie früher schon Schwangerschaften?
PATIENTIN: Ja, drei Mal. Die ersten beiden Kinder habe ich auf natürlichem Weg bekommen, und das letzte wurde per Kaiserschnitt geholt.
ARZT: Aus welchem Grund wurde ein Kaiserschnitt gemacht?
Das Kind war etwas größer und schwerer als normal, deshalb hat man sich für einen Kaiserschnitt entschieden.
ARZT: Hatten Sie Probleme während Ihrer Schwangerschaft?
PATIENTIN: Nein, eigentlich nichts Besonderes.
Alles ist problemlos verlaufen und die Kinder kamen jeweils rechtzeitig zur Welt.
ARZT: Sind Sie in den Wechseljahren? Seit wann?
PATIENTIN: Also, Seit 7 Jahren.
Seite 4 · 61–78 / 78
ARZT: Haben Sie Hitzewallungen, Nachtschweiß oder Stimmungsschwankungen?
PATIENTIN: Manchmal Hitzewallungen, aber sie sind nicht zu ärgerlich.
ARZT: Wann haben Sie zuletzt einen Frauenarzt konsultiert?
PATIENTIN: Ich habe zuletzt vor zwei Jahren einen Frauenarzt aufgesucht, bei dem kein auffälliger Befund festgestellt wurde.
ARZT: Nehmen Sie noch andere Medikamente?
PATIENTIN: Ja, ich nehme täglich Aspirin 81 Milligramm und abends Atorvastatin 20 Milligramm.
ARZT: Haben Sie ein Rezept für Ihre Medikamente?
PATIENTIN: Ja, habe ich.
ARZT: Sind Sie vollständig geimpft, also haben Sie alle Impfungen seit Ihrer Kindheit erhalten?
PATIENTIN: Ich habe drei Spritzen gegen Covid bekommen.
Andere Impfungen sind schon sehr lange her.
Aber Sie können gerne meine Hausärztin danach fragen.
ARZT: Passt.
Haben Sie bekannte Allergien, zum Beispiel gegen Lebensmittel, Medikamente, Tiere oder andere Substanzen – außer Amoxicillin?
PATIENTIN: Ja, früher hatte ich eine starke Reaktion nach einem Wespenstich.
Ich musste damals sogar auf die Intensivstation.
Danach habe ich eine Behandlung bekommen, bei der der Körper langsam an die Stiche gewöhnt wurde.
Außerdem bin ich allergisch gegen Krustentiere wie Garnelen oder Krabben.
Wenn ich sowas esse, schwillt mein Gesicht stark an.
ARZT: Rauchen Sie?
PATIENTIN: Derzeit nicht.
Nachdem bei mir die Blutzuckerkrankheit festgestellt wurde, hat mir meine Hausärztin dringend geraten aufzuhören.
Und ich habe es tatsächlich geschafft.
ARZT: Wunderbar!
Wie viele Zigaretten haben Sie früher täglich geraucht und wie lange?
PATIENTIN: Seit meinem neunzehnten Lebensjahr habe ich ungefähr eine halbe Schachtel pro Tag geraucht.
Während meiner Schwangerschaften habe ich allerdings kaum geraucht.
ARZT: Haben Sie Husten oder sind Sie manchmal heiser?
PATIENTIN: Nein, das habe ich nicht.
ARZT: Trinken Sie Alkohol?
Welche Art?
Wie viel?
PATIENTIN: Ein Glas Bier pro Woche.
ARZT: Darf ich Sie fragen, ob Sie schon einmal Drogen konsumiert haben?
PATIENTIN: Nein, noch nie.
ARZT: Was sind Sie von Beruf?
PATIENTIN: Ich arbeite als Sachbearbeiterin im Wohnungsamt.
ARZT: Wie alt sind Ihre Kinder?
PATIENTIN: Meine Tochter ist 22 Jahre alt, mein älterer Sohn ist 19 und der jüngere 15.
ARZT: Sind Ihre Kinder gesund?
PATIENTIN: Meine Tochter hatte eine Zwangsstörung.
Sie musste sich mehrmals die Hände mit Seife waschen, manchmal sogar drei Mal direkt hintereinander.
Inzwischen hat sie dadurch auch ein Ekzem an den Händen bekommen.
Sie nimmt derzeit ein Medikament gegen die Zwangsstörung, das heißt Sertralin.
Wegen des Ekzems benutzt sie eine spezielle Creme und manchmal auch eine Salbe vom Hautarzt.
ARZT: Mit wem wohnen Sie zusammen?
PATIENTIN: Ich wohne zusammen mit meinen beiden Söhnen.
ARZT: Gibt es in Ihrer Familie wichtige Erkrankungen, beispielsweise bei Ihren Eltern, Geschwistern oder anderen nahen Verwandten?
PATIENTIN: Meine Mutter ist 79 Jahre alt, sie leidet an Demenz und lebt in einem Pflegeheim. Seit zwei Tagen liegt sie im Krankenhaus, weil sie sich bei einem Treppensturz am rechten Hüftgelenk verletzt hat.
Mein Vater ist im Alter von 65 Jahren vor 15 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben.
ARZT: Haben Sie Haustiere?
PATIENTIN: Ich habe keine Haustiere.
ARZT: Wir sind mit der Anamnese fertig.
Haben Sie noch Fragen?
PATIENTIN: Ja, mein Bruder ist übergewichtig.
Könnte er von Ozempic profitieren?
ARZT: Zunächst müsste man prüfen, ob er ein geeigneter Kandidat für eine medikamentöse Behandlung ist.
Bitte beachten Sie aber: Auf lange Sicht sind vor allem eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung entscheidend.
Medikamente wie Ozempic können zwar unterstützend wirken, sind jedoch kein Ersatz für eine Lebensstiländerung.
Um der Diagnose näherzukommen, sollten wir im Anschluss eine körperliche Untersuchung durchführen.
