Anamnese
Seit ungefähr einer Stunde klopft mein Herz so schnell und unregelmäßig. Es hat angefangen, nachdem ich einen doppelten Espresso getrunken hatte. Brustschmerzen oder Luftnot habe ich nicht. Mir ist auch nicht schwindelig, und ich bin nicht ohnmächtig geworden. So etwas hatte ich bisher noch nie. Vorerkrankungen sind mir nicht bekannt. Ich nehme keine Medikamente und habe keine Drogen oder Energydrinks konsumiert.
Ein 47-jähriger Patient stellt sich mit seit etwa einer Stunde bestehenden Palpitationen vor. Er beschreibt einen schnellen, unregelmäßigen Herzschlag. Die Beschwerden haben nach dem Konsum eines doppelten Espressos begonnen. Thoraxschmerzen, Dyspnoe, Schwindel und Synkopen werden verneint. Vergleichbare Episoden sind bislang nicht aufgetreten. Vorerkrankungen sowie eine regelmäßige Medikamenteneinnahme sind nicht bekannt. Den Konsum von Drogen und Energydrinks verneint der Patient.
Körperliche Untersuchung
| Parameter | Befund |
|---|---|
| Blutdruck | 120/80 mmHg |
| Puls | ca. 150/min, absolut arrhythmisch |
| Sauerstoffsättigung | 97 % |
| Atemfrequenz | 13/min |
| Körpertemperatur | 36,9 °C, axillär |
- Allgemeinzustand: wach, orientiert, kreislaufstabil.
- Herz: tachykarde, absolut arrhythmische Herzaktion; keine auffälligen Herzgeräusche.
- Lunge: beidseits vesikuläres Atemgeräusch, keine Rasselgeräusche.
- Extremitäten: keine peripheren Ödeme.
- Schilddrüse: palpatorisch nicht vergrößert.
Weiteres Vorgehen 1
Der Patient ist trotz des schnellen, unregelmäßigen Pulses aktuell kreislaufstabil. Er bleibt zunächst sitzen. Blutdruck und Puls werden erneut kontrolliert. Anschließend wird umgehend ein 12-Kanal-EKG in der Praxis geschrieben, um die Herzrhythmusstörung einzuordnen.
EKG-Auswertung
1. Bei Aufnahme
- Absolut unregelmäßige RR-Abstände.
- Tachykardie mit schmalen QRS-Komplexen bei einer Kammerfrequenz von etwa 150/min.
- Keine eindeutig erkennbaren P-Wellen.
Beurteilung: Vorhofflimmern mit tachykarder Überleitung.
2. Vier Minuten später, ohne therapeutische Maßnahmen
Bei eindeutig erkennbaren Sinus-P-Wellen vor jedem QRS-Komplex und regelmäßigen RR-Abständen zeigt sich eine Sinustachykardie mit etwa 150/min.
Fazit: Spontane Konversion des Vorhofflimmerns in einen Sinusrhythmus bei fortbestehender Tachykardie.
Weiteres Vorgehen 2
Im weiteren Verlauf, nach etwa 30 Minuten, bessert sich das Herzklopfen unter Ruhe ohne medikamentöse Behandlung. Die Herzfrequenz sinkt deutlich ab; im Kontroll-EKG besteht weiterhin Sinusrhythmus. Der Patient bleibt kreislaufstabil.
Auf erneute Nachfrage erinnert sich der Patient an eine ähnliche Episode vor etwa einem Jahr. Ein Zusammenhang mit dem vorausgegangenen Koffeinkonsum ist möglich, jedoch nicht gesichert.
CHA₂DS₂-VA-Score
| Parameter | Punkte bei Vorliegen | Befund beim Patienten | Erreichte Punkte |
|---|---|---|---|
| Herzinsuffizienz | 1 | Keine Hinweise | 0 |
| Arterielle Hypertonie | 1 | Nicht bekannt | 0 |
| Alter ≥ 75 Jahre | 2 | 47 Jahre | 0 |
| Diabetes mellitus | 1 | Nicht bekannt | 0 |
| Früherer Schlaganfall, TIA oder arterielle Thromboembolie | 2 | Anamnestisch nicht bekannt | 0 |
| Gefäßerkrankung, z. B. KHK oder pAVK | 1 | Nicht bekannt | 0 |
| Alter 65–74 Jahre | 1 | 47 Jahre | 0 |
| CHA₂DS₂-VA-Gesamtscore | 0 |
Kardiologisches Konsil
Nach Rücksprache mit der Kardiologie wird ein zeitnaher Untersuchungstermin vereinbart. Echokardiografisch zeigen sich normal große Herzhöhlen und eine erhaltene linksventrikuläre Pumpfunktion mit einer Ejektionsfraktion von etwa 58%. Der linke Vorhof ist nicht vergrößert. Es finden sich weder regionale Wandbewegungsstörungen noch relevante Herzklappenveränderungen. Auch die rechtsventrikuläre Funktion ist unauffällig; ein Perikarderguss liegt nicht vor. Insgesamt besteht kein Hinweis auf eine strukturelle Herzerkrankung.
Empfehlungen
- Koffein zunächst meiden, insbesondere Espresso und Energydrinks, da ein persönlicher Zusammenhang mit den Beschwerden möglich ist.
- Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßigen Schlaf und möglichst wenig Alkohol achten.
- Die vereinbarten hausärztlichen und kardiologischen Kontrolltermine wahrnehmen.
- Bei erneutem Herzklopfen Beginn, Dauer, Puls und mögliche Auslöser notieren und zeitnah ein EKG während der Beschwerden schreiben lassen.
- Bei anhaltendem starkem Herzrasen auch ohne weitere Beschwerden noch am selben Tag ärztlich vorstellen.
- Bei Brustschmerzen, Luftnot, Ohnmacht oder plötzlich auftretenden Sprachstörungen beziehungsweise Lähmungen sofort 112 wählen.


