Anamnese/ Brief
- Begrüßung und persönliche Daten
- Aktuelle Beschwerden
- Unfallhergang
- Erste Maßnahmen und Verlauf in der Schule
- Begleitbeschwerden und wichtige Negativangaben
- Frühere Verletzungen und Vorerkrankungen
- Medikamente
- Allergien und Impfstatus
- Schule und Alltag
- Ergänzendes Gespräch mit der Mutter
- Zusammenfassung
👨⚕️ Hallo, ich bin Dr. Schneider. Wie heißt du?
👧 Ich heiße Mia.
👨⚕️ Hallo Mia. Wie alt bist du?
👧 Acht.
👨⚕️ Und wer ist heute mit dir gekommen?
👧 Meine Mama.
👨⚕️ Ich möchte zuerst von dir hören, was passiert ist. Deine Mama kann uns danach helfen, wenn noch etwas fehlt. Ist das okay?
👧 Ja.
👨⚕️ Mia, weißt du, wie groß du bist und wie viel du wiegst?
👧 Nicht genau.
👨⚕️ Frau Weber, kennen Sie die aktuellen Werte?
👩 Sie ist ungefähr 1,28 Meter groß und wiegt etwa 25 Kilogramm.
👨⚕️ Danke. Wir wiegen Mia gleich noch einmal, damit wir das Schmerzmittel richtig dosieren können.
👨⚕️ Was tut dir denn weh?
👧 Mein Finger hier.
Das Mädchen zeigt auf den rechten Zeigefinger.
👨⚕️ Zeig mir mal mit der anderen Hand, wo es am meisten wehtut.
👧 Hier vorne, beim Nagel.
👨⚕️ Tut der Finger die ganze Zeit weh oder nur, wenn du ihn bewegst?
👧 Ein bisschen die ganze Zeit. Wenn ich ihn bewege, tut es mehr weh.
👨⚕️ Wenn null gar nicht wehtut und zehn ganz schlimm wehtut: Welche Zahl passt jetzt?
👧 Vier. Beim Bewegen eher sechs.
👨⚕️ Ist es seit dem Spielen besser oder schlimmer geworden?
👧 Erst dachte ich, es geht wieder weg. Jetzt ist er auch ein bisschen dick.
👨⚕️ Erzähl mir mal, was beim Spielen passiert ist.
👧 Wir haben in der Pause Räuber und Gendarm gespielt. Ich wollte eine Freundin fangen.
👨⚕️ Wie hast du versucht, sie zu fangen?
👧 Ich bin hinter ihr hergerannt und hab sie von hinten festgehalten. Sie ist noch weitergelaufen, und dann hat mein Finger plötzlich wehgetan.
👨⚕️ Weißt du noch, ob dein Finger dabei irgendwo hängen geblieben oder umgeknickt ist?
👧 Weiß ich nicht mehr genau. Das ging ganz schnell.
👨⚕️ Bist du dabei hingefallen?
👧 Nein.
👨⚕️ Hat jemand auf deine Hand getreten oder ist etwas dagegengekommen?
👧 Nein.
👨⚕️ Ungefähr wann war das?
👧 In der großen Pause.
👩 Die Schule hat mich vor etwa einer Stunde angerufen. Der Unfall müsste jetzt ungefähr zwei Stunden her sein.
👨⚕️ Was hast du gemacht, als der Finger wehgetan hat?
👧 Ich bin zum Waschbecken gegangen und hab kaltes Wasser drüberlaufen lassen.
👨⚕️ Hat das geholfen?
👧 Ein bisschen.
👨⚕️ Hast du danach jemandem davon erzählt?
👧 Erst nicht.
👨⚕️ Und wie hat deine Lehrerin es dann bemerkt?
👧 Wir sollten am Ende die Hausaufgaben aufschreiben. Ich hab nicht geschrieben. Dann hat sie gefragt, warum.
👨⚕️ Und da hast du ihr von deinem Finger erzählt?
👧 Ja. Weil ich den Stift nicht richtig halten konnte.
👨⚕️ Schreibst du normalerweise mit rechts?
👧 Ja.
👨⚕️ Hat der Finger geblutet?
👧 Nein.
👨⚕️ Ist dir am Nagel etwas aufgefallen, zum Beispiel Blut darunter oder dass er locker ist?
👧 Nein.
👨⚕️ Kribbelt der Finger, so als würden kleine Ameisen darüberlaufen?
👧 Nein.
👨⚕️ Fühlt er sich irgendwo taub an, also so, als würdest du dort weniger spüren?
👧 Nein.
👨⚕️ Ist er zwischendurch ganz kalt geworden?
👧 Nein, nur unter dem Wasser.
👨⚕️ Tun dir auch die anderen Finger, die Hand oder das Handgelenk weh?
👧 Nein, nur der eine Finger.
👨⚕️ Kannst du ihn noch ein bisschen bewegen? Du musst es mir jetzt nicht extra zeigen.
👧 Ja, aber dann tut es weh.
👨⚕️ Hast du dir an dieser Hand schon einmal wehgetan oder etwas gebrochen?
👧 Nein.
👨⚕️ Frau Weber, sind bei Ihrer Tochter Erkrankungen bekannt?
👩 Nein, sie ist sonst gesund.
👨⚕️ War sie schon einmal im Krankenhaus oder wurde sie operiert?
👩 Nein.
👨⚕️ Hat Mia heute schon ein Schmerzmittel bekommen?
👩 Nein, bisher haben wir nur gekühlt.
👨⚕️ Nimmt sie regelmäßig Medikamente?
👩 Nein.
👨⚕️ Sind Allergien bekannt, zum Beispiel gegen Medikamente oder Pflaster?
👩 Nein, bisher nicht.
👨⚕️ Sind die üblichen Kinderimpfungen vollständig?
👩 Ja, soweit ich weiß. Den Impfpass habe ich dabei.
👨⚕️ Mia, in welche Klasse gehst du?
👧 In die zweite.
👨⚕️ Was machst du sonst gerne, wenn du nicht in der Schule bist?
👧 Turnen und malen.
👨⚕️ Und mit wem wohnst du zusammen?
👧 Mit Mama, Papa und meinem kleinen Bruder.
👨⚕️ Frau Weber, Mia hat schon gut erklärt, was passiert ist. Ich würde Sie gerne noch fragen, ob Ihnen seit dem Abholen etwas aufgefallen ist.
👩 Sie hält die Hand ruhig und möchte den Finger möglichst nicht bewegen. Sonst ist sie wie immer.
👨⚕️ Hat die Schwellung seitdem zugenommen?
👩 Ein bisschen, würde ich sagen.
👨⚕️ Hat Mia schon ein Schmerzmittel bekommen?
👩 Nein, wir haben bisher nur gekühlt.
👨⚕️ Hat sie sich an diesem Finger schon einmal verletzt?
👩 Nein.
👨⚕️ Gibt es Vorerkrankungen, regelmäßige Medikamente oder bekannte Allergien?
👩 Nein, nichts davon.
👨⚕️ Wissen Sie, ob eine Lehrkraft den Unfall gesehen hat?
👩 Das weiß ich nicht. Die Lehrerin hat erst später von den Schmerzen erfahren und mich dann angerufen.
👨⚕️ Danke. Ich untersuche jetzt Mias Finger und erkläre Ihnen beiden anschließend die Befunde und das weitere Vorgehen.
👨⚕️ Mia, wenn dir noch etwas einfällt oder du eine Frage hast, sag jederzeit Bescheid.
👧 Okay.
👨⚕️ Mia, dein Finger könnte verstaucht oder gebrochen sein. Ich schaue ihn mir jetzt vorsichtig an. Danach machen wir Röntgenbilder, damit wir sehen, ob ein Knochen verletzt ist. Bis dahin halten wir den Finger ruhig. Wenn du Schmerzen hast, bekommst du ein passendes Schmerzmittel. Sobald wir die Bilder haben, erkläre ich dir und deiner Mama, wie es weitergeht.
- Infos
- Allergien und Unverträglichkeiten
- Genussmittel / Drogen
- Sozialanamnese
- Familienanamnese
- Medikamente
- Vorerkrankungen / Operationen
- Anamnese
- Diagnose – Differenzialdiagnosen
- Weiteres Vorgehen
Patientin: Mia Weber
Alter: 8 Jahre
Datum: 20.10.2026
Gewicht / Größe: 25 Kilogramm/ 1,28 Meter
Sehr geehrte Frau Oberärztin, sehr geehrter Herr Oberarzt,
hiermit möchte ich Ihnen die achtjährige Patientin Mia Weber vorstellen, die sich in Begleitung ihrer Mutter aufgrund von Schmerzen am rechten Zeigefinger nach einem Schulunfall vorstellte.
Keine bekannten Allergien oder Medikamentenunverträglichkeiten laut Mutter.
Altersbedingt keine eigenanamnestische Relevanz.
- Schülerin der zweiten Klasse.
- Rechtshänderin.
- Lebt mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder zusammen.
- Freizeitaktivitäten: Turnen und Malen.
- Unfall während der Schulpause.
Im Rahmen der Akutvorstellung nicht vertieft erhoben.
- Keine Dauermedikation.
- Bis zur Vorstellung keine Einnahme von Schmerzmitteln.
Laut Mutter seien keine chronischen Erkrankungen bekannt. Frühere Frakturen, Verletzungen des betroffenen Fingers, Operationen oder stationäre Krankenhausaufenthalte wurden verneint. Der Impfstatus sei vollständig; der Impfpass liege vor.
Die Patientin stellte sich aufgrund seit etwa zwei Stunden bestehender Schmerzen am rechten Zeigefinger nach einem Unfall während der Schulpause vor.
Sie berichtete, sie habe mit anderen Kindern „Räuber und Gendarm“ gespielt. Dabei habe sie versucht, eine vor ihr laufende Mitschülerin von hinten festzuhalten. Während diese weitergelaufen sei, habe sie plötzlich Schmerzen am rechten Zeigefinger verspürt. Den genauen Verletzungsmechanismus könne sie nicht beschreiben. Einen Sturz sowie einen direkten Schlag auf den Finger verneinte sie.
Die Schmerzen seien vor allem im Bereich des Endgliedes lokalisiert. In Ruhe betrage die Schmerzintensität etwa 4/10, bei Bewegung bis zu 6/10 auf der numerischen Ratingskala. Im Verlauf sei eine leichte Schwellung hinzugekommen.
Nach dem Unfall habe sie den Finger unter kaltem Leitungswasser gekühlt, wodurch sich die Beschwerden vorübergehend etwas gebessert hätten. Zunächst habe sie ihrer Lehrerin nichts von dem Vorfall erzählt. Erst als sie am Ende der Unterrichtsstunde die Hausaufgaben nicht notiert habe, sei die Lehrerin aufmerksam geworden. Die Patientin habe angegeben, den Stift schmerzbedingt nicht richtig halten zu können.
Eine Blutung, erkennbare Nagelverletzung, Parästhesien oder ein Taubheitsgefühl wurden verneint. Schmerzen an weiteren Fingern sowie im Bereich der übrigen Hand oder des Handgelenks bestünden nicht.
Die Mutter ergänzte, ihre Tochter schone die rechte Hand seit dem Abholen. Abgesehen von den fingerbezogenen Beschwerden verhalte sie sich wie gewohnt.
Aufgrund der akut nach einem Unfall aufgetretenen Schmerzen und der berichteten Schwellung besteht der Verdacht auf eine knöcherne Verletzung des rechten Zeigefingers, insbesondere eine Endphalanxfraktur. Eine Beteiligung der Wachstumsfuge ist zu berücksichtigen.
Differenzialdiagnostisch kommen eine Kontusion, eine Distorsion sowie eine Band- oder Sehnenverletzung infrage.
Zunächst ist eine klinische Untersuchung des betroffenen Fingers einschließlich der angrenzenden Handabschnitte vorgesehen. Dabei sollen Haut und Nagelbett, Schwellung, Druckschmerz und mögliche Fehlstellungen sowie die aktive Beweglichkeit und Sehnenfunktion beurteilt werden. Zusätzlich sind die periphere Durchblutung und Sensibilität zu überprüfen.
Zur Abklärung einer möglichen Fraktur ist eine Röntgenuntersuchung des rechten Zeigefingers in mindestens zwei Ebenen vorgesehen. Bis zur weiteren Abklärung sollen eine vorläufige Ruhigstellung, Hochlagerung und vorsichtige Kühlung erfolgen. Bei Bedarf ist eine gewichtsadaptierte Schmerztherapie vorgesehen.
Das weitere Vorgehen richtet sich nach den klinischen und radiologischen Befunden. Die Patientin und ihre Mutter werden über die geplanten Untersuchungen und die nächsten Schritte informiert.
Körperliche Untersuchung
Die achtjährige Patientin ist wach, ansprechbar und in gutem Allgemeinzustand. Sie schont die rechte Hand.
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Inspektion: Leichte Schwellung des Endgliedes des rechten Zeigefingers. Keine offene Wunde, sichtbare Achsabweichung oder Fehlstellung. Nagelplatte regelrecht positioniert, kein erkennbares subunguales Hämatom.
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Palpation: Umschriebener Druckschmerz über der Endphalanx. Kein Druckschmerz über Mittel- und Grundphalanx, den übrigen Fingern, der Mittelhand oder dem Handgelenk.
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Beweglichkeit und Sehnenfunktion: Aktive Beugung und Streckung in allen Fingergelenken möglich, am Endgelenk jedoch schmerzbedingt eingeschränkt. Kein aktives Streckdefizit. Beim vorsichtigen Beugen kein Hinweis auf eine Rotationsfehlstellung.
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Durchblutung: Finger warm und rosig, kapilläre Wiederfüllungszeit unter zwei Sekunden.
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Sensibilität: Berührungsempfinden seitengleich erhalten, keine Taubheit oder Parästhesien.
Zusammenfassend besteht eine schmerzhafte Schwellung mit lokalem Druckschmerz über der Endphalanx bei erhaltener Durchblutung, Sensibilität und aktiver Sehnenfunktion. Eine Fraktur lässt sich klinisch nicht ausschließen.
Röntgen
Interpretation
In den Röntgenaufnahmen des rechten Zeigefingers in zwei Ebenen zeigt sich eine nicht dislozierte Fraktur der Endphalanx ohne relevante Achsabweichung. Keine Beteiligung der Wachstumsfuge. Die Gelenkstellung ist regelrecht.
Weiteres Vorgehen
Nach Rücksprache mit dem behandelnden Orthopäden wurde eine konservative Behandlung vereinbart:
- Ruhigstellung: Versorgung mit einer gepolsterten Fingerschiene unter Einschluss des Endgelenks für voraussichtlich 3–4 Wochen. Das Mittelgelenk bleibt frei beweglich. Die endgültige Dauer richtet sich nach dem Heilungsverlauf.
- Schmerztherapie: Ibuprofen als Suspension zum Einnehmen, 40 mg/ml. Bei einem Körpergewicht von 25 kg: 5 ml (= 200 mg; entspricht einem gestrichenen 5-ml-Messlöffel) bei Bedarf bis zu dreimal täglich, mit mindestens sechs Stunden Abstand. Zunächst für höchstens drei Tage. Bei anhaltendem Schmerzmittelbedarf erneute ärztliche Beurteilung.
- Abschwellende Maßnahmen: Hochlagerung und kurzzeitige Kühlung mit einem in ein Tuch eingewickelten Kühlpack.
- Kontrolle: Nach Anlage der Schiene erneute Prüfung von Durchblutung, Sensibilität und Schienensitz. Klinische Verlaufskontrolle nach etwa einer Woche; Röntgenkontrollen nach unfallchirurgischer Festlegung.
- Belastung: Kein Schulsport, Turnen oder belastendes Spielen bis zur ärztlichen Freigabe. Die nicht ruhiggestellten Gelenke sollen regelmäßig bewegt werden.
- Wiedervorstellung: Bei zunehmenden Schmerzen, Taubheitsgefühl, kaltem oder verfärbtem Finger sowie Druckstellen durch die Schiene umgehend erneute Vorstellung.
Die Patientin und ihre Mutter wurden über die Behandlung und die Pflege der Schiene informiert.
Schienenpflege
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Sauber und trocken halten: Die Schiene beim Waschen vor Wasser schützen. Eine feuchte oder verschmutzte Polsterung wechseln lassen.
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Sitz kontrollieren: Die Schiene darf weder drücken noch verrutschen. Befestigungen nicht zu fest anziehen.
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Haut beobachten: Auf Rötungen, Druckstellen oder Blasen achten. Keine Gegenstände zum Kratzen unter die Schiene schieben.
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Finger kontrollieren: Die Fingerspitze sollte warm und normal gefärbt sein. Bei zunehmenden Schmerzen, Kribbeln, Taubheit oder einem kalten, blassen beziehungsweise blauen Finger umgehend ärztlich vorstellen.
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Nicht selbst verändern: Die Schiene nicht eigenständig kürzen, verbiegen oder dauerhaft abnehmen. Abnahme und Reinigung nur wie ärztlich gezeigt.
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Beweglich bleiben: Die nicht ruhiggestellten Gelenke regelmäßig vorsichtig bewegen. Die verletzte Hand zunächst möglichst hochlagern.
Frage
Wann ist bei einer kindlichen Fingerfraktur eine operative Behandlung erforderlich?


