Kinder sind keine kleinen Erwachsenen â das gilt auch fĂŒr das EKG. Herzfrequenz, Intervalle, elektrische Herzachse und die Morphologie einzelner Ableitungen verĂ€ndern sich mit dem Alter.
Sehen Sie bei diesen beiden EKGs einen Unterschied zu einem typischen Erwachsenen-EKG?
Fall 1 â 14-jĂ€hrige Patientin
Eine 14-jÀhrige Patientin stellt sich mit Kopfschmerzen und grippeÀhnlichen Beschwerden vor.
Klinische Angaben:
- Temperatur: 37,9 °C axillÀr
- Tonsillen leicht gerötet
- Rhinorrhö
- sonst kein auffÀlliger körperlicher Untersuchungsbefund
- Rhythmus: R-R-AbstĂ€nde regelmĂ€Ăig.
- Herzfrequenz: Abstand zwischen zwei R-Zacken ca. 2,5 groĂe KĂ€stchen â 300 / 2,5 â 120/min â Tachykardie.
- QRS-Komplex: schmal â supraventrikulĂ€rer Ursprung.
- P-Wellen: in Ableitung II positiv und in aVR negativ â Sinusrhythmus.
- Q-Wellen: keine pathologischen Q-Wellen.
- T-Wellen: keine auffÀlligen T-Wellen.
- PR-Intervall: im Normbereich.
- QT-Intervall: bei Tachykardie nur eingeschrĂ€nkt anhand des absoluten QT-Intervalls beurteilbar; QTc berĂŒcksichtigen.
- ST-Strecke: bei höherer Herzfrequenz erschwerte Beurteilung; keine eindeutigen pathologischen ST-VerÀnderungen.
- R-Progression: regelrecht, Transitionszone etwa in V3.
Zusammenfassung: RegelmĂ€Ăige Sinustachykardie bei ansonsten unauffĂ€lligem EKG.
Fachleiter
Fall 2 â 11-jĂ€hrige Patientin
Eine 11-jĂ€hrige Patientin stellt sich mit leichter Atemnot und Ăbelkeit vor.
Keine bekannten FĂ€lle von Gastroenteritis oder Grippe im Umfeld.
Bei der körperlichen Untersuchung wirkt sie angespannt und gestresst. Weitere relevante AuffÀlligkeiten zeigen sich nicht.
- hythmus: Die R-R-AbstĂ€nde erscheinen auf den ersten Blick unregelmĂ€Ăig. Die Schwankungen sind jedoch atemabhĂ€ngig und entsprechen einer respiratorischen Sinusarrhythmie mit VerkĂŒrzung der R-R-AbstĂ€nde bei Inspiration und VerlĂ€ngerung bei Exspiration.
- Herzfrequenz: 16 QRS-Komplexe innerhalb von 57,5 groĂen KĂ€stchen (= 11,5 Sekunden bei 25 mm/s) â Herzfrequenz ca. 83/min.
- P-Wellen: in Ableitung II positiv und in aVR negativ â Sinusrhythmus.
- PR-Intervall: im Normbereich.
- QRS-Komplex: schmal, keine pathologischen Q-Wellen.
- R-Progression: regelrecht.
- ST-Strecke: keine pathologischen ST-StreckenverÀnderungen.
- T-Wellen: keine pathologischen T-WellenverÀnderungen.
- QT/QTc: im Normbereich.
Zusammenfassung: Sinusrhythmus mit respiratorischer Sinusarrhythmie bei einer mittleren Herzfrequenz von ca. 83/min. Ansonsten unauffÀlliges EKG.
Fachleiter
Kinder-EKG vs. Erwachsenen-EKG
Je jĂŒnger ein Kind ist, desto deutlicher können sich die normalen EKG-Befunde vom Erwachsenen-EKG unterscheiden. Mit zunehmendem Alter nĂ€hert sich das EKG schrittweise dem typischen Erwachsenenbild an.
Bei 11- und 14-JĂ€hrigen sind viele EKG-Parameter bereits relativ Ă€hnlich wie bei Erwachsenen. Trotzdem mĂŒssen bei der Interpretation altersabhĂ€ngige Normwerte berĂŒcksichtigt werden.
Merke: Ein Befund, der bei Erwachsenen auffĂ€llig erscheint, kann bei Kindern und Jugendlichen physiologisch sein â und umgekehrt.
Fachleiter
Sehen Sie einen auffÀlligen EKG-Befund? Fragen Sie sich zuerst:
- Sind die Elektroden korrekt angebracht?
- Könnte der Befund durch Artefakte oder elektrische Störungen verursacht sein?
- Ist die AuffÀlligkeit auch in mindestens zwei benachbarten Ableitungen zu erkennen?


