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Fraktur-Serie: Unterarmfrakturen im Röntgen

Unterarmfrakturen gehören zu den häufigsten Verletzungen in der Notaufnahme. Eine systematische Beurteilung der Röntgenaufnahmen ist entscheidend, um Frakturen, Fehlstellungen und Begleitverletzungen sicher zu erkennen.

In dieser Fraktur-Serie finden Sie sechs reale Röntgenfälle. Analysieren Sie jede Aufnahme zunächst selbst, bevor Sie die Diagnose überprüfen.

Achten Sie dabei insbesondere auf:

  • Welcher Knochen ist betroffen?
  • Wo liegt die Fraktur?
  • Ist die Fraktur disloziert?
  • Liegt eine Gelenkbeteiligung vor?
  • Gibt es Hinweise auf Begleitverletzungen?
  • Welche Therapie würden Sie empfehlen?
Table Of Contents

Fachleiter

Fall 1

Patient (19 Jahre Alt) nach Sturz auf den rechten Unterarm mit Schmerzen, Schwellung und eingeschränkter Beweglichkeit.

Ihre Aufgabe

  • Welcher Knochen ist frakturiert?
  • In welchem Abschnitt befindet sich die Fraktur?
  • Liegt eine Dislokation vor?
  • Konservative oder operative Therapie?
Fall 1
1 / 2
AP (anteroposterior)
AP (anteroposterior)

Radiologische Beschreibung

  • Lokalisation: Mittleres Drittel des Radiusschaftes – die Frakturlinie liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Ellenbogen und Handgelenk.
  • Frakturtyp: Schrägfraktur mit Keilfragment (Butterfly-Fragment) – die Frakturlinie verläuft schräg zur Knochenachse; zusätzlich ist ein dreieckiges Zwischenfragment erkennbar.
  • Vollständigkeit: Vollständige Fraktur – die Frakturlinie durchtrennt beide Kortikales vollständig.
  • Dislokation: Vorhanden (Translation und Angulation) – die Fragmente sind gegeneinander verschoben und zeigen eine Achsabweichung.
  • Verkürzung: Gering – die Fragmente überlappen sich leicht, wodurch der Radius etwas verkürzt erscheint.
  • Begleitbefund: Weichteilschwellung – vermehrte Weichteildichte und Konturverbreiterung im Bereich der Fraktur als Hinweis auf ein posttraumatisches Hämatom bzw. Ödem.

Frage

  1. Besteht eine Fraktur des Processus styloideus radii oder ulnae?
  2. Warum wurde die zweite Aufnahme (lateral) mit gestrecktem Ellenbogen und nicht in 90° Flexion angefertigt?

Fachleiter

Fall 2

Patient (24 Jahre) nach Hochenergietrauma mit Schmerzen und Fehlstellung des Unterarms.

Ihre Aufgabe

  • Welche Knochen sind betroffen?
  • In welchem Abschnitt liegen die Frakturen?
  • Ist eine operative Versorgung wahrscheinlich?
Fall 2
1 / 2
AP
AP

Radiologische Beschreibung

  • Lokalisation: distales Drittel des Radius- und Ulnaschaftes
  • Frakturtyp Radius: Querfraktur – Frakturlinie nahezu senkrecht zur Knochenachse.
  • Frakturtyp Ulna: kurze Schrägfraktur – Frakturlinie leicht schräg zur Knochenachse.
  • Vollständigkeit: vollständige Frakturen beider Knochen – beide Kortikales sind vollständig durchtrennt.
  • Dislokation: vorhanden (Translation und geringe Angulation) – die Fragmente sind gegeneinander verschoben und leicht gekippt.
  • Verkürzung: leicht bis mäßig – durch Überlappung der Fragmente.
  • Begleitbefund: Weichteilschwellung.
  • Handwurzelknochen: regelrechte Stellung, kein sicherer Frakturnachweis.
  • Radiokarpalgelenk und distales Radioulnargelenk: regelrechte Gelenkstellung, keine Luxation erkennbar.

Fachleiter

Fall 3

Akutes Trauma des Handgelenks nach Sturz.

Ihre Aufgabe

  • Handelt es sich um dieselbe Frakturform?
  • Welche zusätzlichen Strukturen sollten beurteilt werden?
  • Ist das distale Radioulnargelenk regelrecht?
Fall 3
1 / 3
Lateral
Lateral
  • Lokalisation: Distale Radiusmetaphyse – die Fraktur liegt unmittelbar proximal der Gelenkfläche.
  • Frakturtyp: Querfraktur (metaphysär) – die Frakturlinie verläuft nahezu quer durch die distale Metaphyse.
  • Vollständigkeit: Vollständige Fraktur – die Frakturlinie durchtrennt beide Kortikales vollständig.
  • Dislokation: Vorhanden (Translation und deutliche dorsale Angulation) – das distale Fragment ist nach dorsal verlagert und gekippt.
  • Verkürzung: Gering – durch Impaktion und Fragmentüberlagerung besteht ein leichter Längenverlust des Radius.
  • Gelenkbeteiligung: Keine – die Fraktur reicht nicht bis in die radiokarpale Gelenkfläche.
  • Begleitbefund: Weichteilschwellung im Bereich des distalen Unterarms.

Welche Knochen sind am häufigsten Auf einer a.-p.-Aufnahme des Handgelenks überlagert?

  • Os trapezium ↔ Os trapezoideum 
  • Os capitatum ↔ Os hamatum (teilweise)
  • Os pisiforme ↔ Os triquetrum (vor allem in der AP-Aufnahme)

Fachleiter

Fall 4

👧 8-jähriges Mädchen

  • Sturz beim Spielen
  • Auf die ausgestreckte Hand gefallen
  • Schmerzen am rechten Handgelenk
  • Schwellung
  • Keine offene Verletzung

Ihre Aufgabe

  • Welcher Knochen ist frakturiert?
  • In welchem Abschnitt befindet sich die Fraktur?
  • Liegt eine Dislokation vor?
  • Konservative oder operative Therapie?
Fall 4
1 / 2
AP
AP

Radiologische Beschreibung

Lokalisation: Distale Radiusmetaphyse – die Fraktur liegt unmittelbar proximal der distalen Wachstumsfuge.

Frakturtyp: Buckle-Fraktur (Torusfraktur) – lokale kortikale Aufwölbung bzw. Einstauchung der Kortikalis ohne vollständige Frakturlinie.

Vollständigkeit: Inkomplette Fraktur – die Kortikalis ist nur eingestaucht und nicht vollständig durchtrennt.

Dislokation: Keine – die Knochenachse ist erhalten, es besteht keine relevante Fragmentverschiebung.

Verkürzung: Keine – die Länge des Radius ist erhalten.

Begleitbefund: Leichte Weichteilschwellung im Bereich des distalen Handgelenks. Keine Hinweise auf eine begleitende Ulnaverletzung oder Gelenkbeteiligung.

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