Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) verständlich erklärt: Dieser Beitrag bietet einen praxisnahen Überblick über Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Behandelt werden typische Symptome, wichtige Differenzialdiagnosen, diagnostisches Vorgehen, die Unterschiede zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sowie klinische Merkmale, die in der Fachsprachprüfung (FSP), Kenntnisprüfung (KP), im M3 und im klinischen Alltag häufig gefragt werden.
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
Hauptbeschwerde
- In der Regel berichten Patientinnen und Patienten um das 40. Lebensjahr über seit 2–3 Wochen bestehende, krampfartige epigastrische Bauchschmerzen sowie wässrige Diarrhö.
- Oft bestehen ähnliche Schübe in der Vorgeschichte, jedoch in leichterer und kürzerer Ausprägung. Der Beginn liegt häufig im jungen Erwachsenenalter, meist zwischen 20 und 30 Jahren.
- Zudem kann es in den letzten Tagen zu einer Verschlimmerung der Beschwerden gekommen sein.
Differenzialdiagnosen
| Differenzialdiagnose | Typische Symptome | Diagnostik |
|---|---|---|
| Chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED: Morbus Crohn / Colitis ulcerosa) |
Rezidivierende, krampfartige Bauchschmerzen, Diarrhö, oft wässrig oder blutig-schleimig, Gewichtsverlust, Müdigkeit, extraintestinale Manifestationen, z. B. Arthritis oder Hautveränderungen. | Anamnese, Labor (CRP, BSG, Blutbild, Calprotectin), Stuhluntersuchung, Koloskopie mit Biopsien, Bildgebung (MRT/CT Abdomen). |
| Kolonkarzinom | Veränderter Stuhlgang, Obstipation oder Diarrhö, Blut im Stuhl, okkult oder sichtbar, Bauchschmerzen, Anämie, Gewichtsverlust. | Rektaluntersuchung, Koloskopie mit Biopsie, CT/MRT Abdomen, Tumormarker (CEA). |
| Divertikulitis | Meist > 50 Jahre; linksseitige Unterbauchschmerzen, Fieber, Druckschmerz im linken Unterbauch, Übelkeit, ggf. Obstipation oder Diarrhö; bei komplizierten Verläufen ggf. Peritonismus. | Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor (CRP, Leukozyten), Sonographie, CT-Abdomen als Goldstandard bei komplizierter oder unklarer Divertikulitis. |
| Infektiöse Enterokolitis (viral / bakteriell / parasitär) |
Akut einsetzende Diarrhö, wässrig, blutig oder schleimig, Bauchschmerzen, Fieber, Erbrechen, Expositionsanamnese, z. B. Reisen oder verdorbene Lebensmittel. | Stuhlkultur, PCR/Antigentest, parasitologische Untersuchung, Blutbild, CRP. |
| Reizdarmsyndrom (IBS) |
Chronisch-rezidivierende Bauchschmerzen, Besserung nach Stuhlgang, wechselnde Stuhlgewohnheiten, Diarrhö oder Obstipation, keine Alarmsymptome wie Blut, Gewichtsverlust oder Fieber. | Ausschlussdiagnose: unauffällige Laborwerte, unauffällige Koloskopie, normales Calprotectin. |
Morbus Crohn vs. Colitis ulcerosa
| Charakteristika | Morbus Crohn | Colitis ulcerosa |
|---|---|---|
| Befallsstelle | Ösophagus bis Anus | Colon |
| Diskontinuierlicher Befall (Skip lesions) |
+ | − |
| Transmurale Entzündung | + | − |
| Art der Ulzerationen | Meist umschrieben | Kontinuierlich |
| Perianale Erkrankungen (Fissuren, Marisken) |
+ | − |
| Starke Blutungen | − | Häufiger |
| Fisteln | + | − |
| Stenosen | + | − |
| Fieber / Gewichtsverlust | Bei ausgedehntem und schwerem Befall | Bei ausgedehntem und schwerem Befall |
Anmerkungen
Bei einem Kolonkarzinom oder einer Colitis ist typischerweise mit Hämatochezie zu rechnen.
Beim Morbus Crohn hängt die Blutungsart von der Befallslokalisation ab: Bei oberem Gastrointestinalbefall tritt eher Meläna auf, bei distalem Befall hingegen Hämatochezie.
Wir sollten gezielt nach urologischen und gynäkologischen Beschwerden fragen – nicht nur im Rahmen der Differenzialdiagnostik, sondern auch zur Beurteilung einer möglichen Ausdehnung der Erkrankung, beispielsweise im Sinne von Fistelbildungen.
Bei viralen Erregern erwarten wir typischerweise zunächst Nausea und Emesis, gefolgt von Diarrhö, die in der Regel selbstlimitierend innerhalb einer Woche abklingt.
Eine Lebensmittelvergiftung dauert in der Regel nicht lange an.
Die Grundlage der Behandlung in der akuten Phase einer Diarrhö ist die Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution, abgesehen von einer gezielten Ursachentherapie.
