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Approach: Kolonkarzinom

Typische Prüfungsszenarien

Ein Kolonkarzinom tritt überwiegend bei Menschen über 50 Jahren auf. Es kann jedoch auch jüngere Patientinnen und Patienten betreffen, insbesondere bei familiärer Vorbelastung oder erblichen Tumorsyndromen.

Einstiegsfrage

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Mögliche Hauptbeschwerden

Szenario 1:
„Seit einigen Monaten habe ich immer wieder Bauchschmerzen und Durchfälle. Manchmal habe ich vorher mehrere Tage keinen Stuhlgang.“

Diese sogenannte paradoxe Diarrhö kann bei einer tumorbedingten Verengung des Darms auftreten: Flüssiger Stuhl passiert die Engstelle, während fester Stuhl zurückgehalten wird.

Szenario 2:
„Seit etwa zwei bis drei Wochen bemerke ich Blut im Stuhl.“

Mögliche Hinweise sind:

  • neu aufgetretene Veränderungen der Stuhlgewohnheiten
  • Blut im Stuhl
  • progrediente oder wiederkehrende Bauchschmerzen
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
  • ungewollter Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit
  • Eisenmangelanämie ohne erkennbare Ursache
  • positive Familienanamnese

Rechtsseitige Kolonkarzinome fallen häufiger durch eine okkulte Blutung, Eisenmangelanämie, Müdigkeit oder Gewichtsverlust auf. Linksseitige Tumoren verursachen aufgrund des engeren Darmlumens eher Stuhlveränderungen, Obstipation, paradoxe Diarrhö oder Ileuszeichen. Diese Zuordnung ist jedoch nicht absolut.

Polypen sind häufig asymptomatisch und werden oft zufällig bei einer Vorsorgekoloskopie entdeckt. Gelegentlich können sie Blutungen verursachen. Eine familiäre Vorbelastung erhöht das Risiko.

Typisch sind:

  • häufig Beginn im jüngeren Lebensalter
  • schubweiser Verlauf
  • wiederkehrende, teilweise blutige Diarrhö
  • Bauchschmerzen
  • Schleimbeimengungen und Stuhldrang
  • mögliche extraintestinale Beschwerden, beispielsweise Gelenk-, Haut- oder Augenveränderungen

Eine langjährig bestehende Colitis ulcerosa oder ausgedehnte Crohn-Kolitis erhöht das Risiko für ein kolorektales Karzinom.

Typisch sind:

  • überwiegend ältere Patientinnen und Patienten
  • meist linksseitige Unterbauchschmerzen
  • Fieber und erhöhte Entzündungswerte
  • Obstipation oder Diarrhö
  • Druckschmerz, gegebenenfalls Abwehrspannung

Hinweise sind:

  • akuter Beginn
  • ausgeprägte wässrige oder blutige Diarrhö
  • Übelkeit und Erbrechen
  • häufig Fieber und systemische Entzündungszeichen
  • auffällige Reise-, Nahrungsmittel- oder Kontaktanamnese
  • mögliche Antibiotikaeinnahme

Das Fehlen von Fieber schließt eine infektiöse Enterokolitis nicht sicher aus.

Typisch sind:

  • starke, stechende oder brennende Schmerzen während und nach dem Stuhlgang
  • hellrotes Blut am Toilettenpapier oder auf dem Stuhl
  • häufig vorausgegangene Obstipation und harter Stuhl

Typisch sind:

  • hellrotes Blut am Toilettenpapier, auf dem Stuhl oder in der Toilette
  • Blutung häufig schmerzlos
  • Juckreiz, Nässen oder Fremdkörpergefühl
  • bei fortgeschrittenem Befund Hervortreten von Gewebe aus dem Analkanal

Wichtig: Hämorrhoiden schließen ein Kolon- oder Rektumkarzinom nicht aus. Neu aufgetretene Blutungen müssen daher abhängig von Alter, Risikoprofil und Begleitsymptomen weiter abgeklärt werden.

Wichtige Fragen in der Anamnese

Aktuelle Beschwerden

  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Haben die Beschwerden plötzlich oder schleichend begonnen?
  • Werden sie zunehmend stärker?
  • Wo befinden sich die Bauchschmerzen?
  • Besteht ein Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme oder dem Stuhlgang?
  • Haben sich Häufigkeit, Konsistenz oder Form des Stuhls verändert?
  • Wechseln sich Durchfall und Verstopfung ab?
  • Haben Sie Blut, Schleim oder schwarzen Stuhl bemerkt?
  • Haben Sie das Gefühl, den Darm nicht vollständig entleeren zu können?
  • Bestehen Übelkeit, Erbrechen, Fieber oder nächtliche Beschwerden?

Allgemeine Warnzeichen

  • Haben Sie ungewollt Gewicht verloren?
  • Leiden Sie unter Appetitlosigkeit?
  • Fühlen Sie sich müde oder weniger leistungsfähig?
  • Haben Sie Nachtschweiß oder Fieber bemerkt?

Risiko- und Familienanamnese

  • Gab es in Ihrer Familie Darmkrebs oder Darmpolypen?
  • In welchem Alter wurde die Erkrankung festgestellt?
  • Leiden Sie an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung?
  • Wurden bei Ihnen bereits Darmpolypen entfernt?
  • Haben Sie an der Darmkrebsvorsorge teilgenommen?
  • Wann wurde zuletzt eine Koloskopie durchgeführt?

Körperliche Untersuchung

Zur Untersuchung gehören:

  • Beurteilung des Allgemeinzustands und Ernährungszustands
  • Kontrolle der Vitalparameter
  • Inspektion auf Blässe und Zeichen einer Anämie
  • Untersuchung des Abdomens: Inspektion, Auskultation, Perkussion und Palpation
  • Prüfung auf Druckschmerz, Abwehrspannung, Resistenzen oder Organvergrößerungen
  • rektal-digitale Untersuchung
  • Inspektion der Analregion
  • Palpation der Lymphknoten

Diagnostisches Vorgehen

Bei Verdacht auf ein kolorektales Karzinom kommen insbesondere folgende Untersuchungen infrage:

  1. Laboruntersuchungen: Blutbild, Ferritin und Transferrinsättigung, Entzündungswerte, Elektrolyte sowie Leber- und Nierenwerte
  2. Koloskopie: wichtigste Untersuchung zur Darstellung des gesamten Kolons und zur Entnahme von Biopsien
  3. Histologische Untersuchung: Sicherung der Diagnose
  4. Staging: meist CT von Thorax, Abdomen und Becken
  5. Bei Rektumkarzinom: Zur lokalen Ausbreitungsdiagnostik und Therapieplanung wird zusätzlich ein hochauflösendes MRT des Beckens durchgeführt.
  6. CEA: vor allem als Ausgangswert und zur Verlaufskontrolle; nicht zur alleinigen Diagnosestellung oder zum Ausschluss eines Karzinoms geeignet

Ein Stuhltest auf verborgenes Blut dient vor allem der Früherkennung bei beschwerdefreien Personen. Bei Warnsymptomen ersetzt er die notwendige endoskopische Abklärung nicht.

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