Arzt-Arzt-Gespräch-Akuter Schub eines Morbus Crohn

Praxisnahes FaMed-Arzt-Arzt-Gespräch zum akuten Schub eines Morbus Crohn mit strukturierter Oberarztvorstellung, klinischer Untersuchung, Labor-, Endoskopie- und MRT-Befunden sowie therapeutischem Vorgehen. Ideal zur Vorbereitung auf Fachsprachprüfung, FaMed und den klinischen Alltag in Deutschland.

Fachleiter

Akuter Schub eines Morbus Crohn

Frau Beate Roth · 21 Jahre · Chefarztvisite

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Bereich Inhalt
Rolle Stationsarzt / Stationsärztin
Situation Vorstellung einer neu aufgenommenen Patientin im Rahmen der Chefarztvisite
Patientin Beate Roth, 21 Jahre
Aufnahmediagnose (Verdacht) Akuter Schub eines Morbus Crohn
Aufnahmegrund
  • Seit zwei Wochen zunehmende Schmerzen im rechten Unterbauch
  • Wässrige Diarrhö
  • Arthralgien
  • Ausgeprägte Fatigue und Leistungsminderung
  • Ungewollter Gewichtsverlust von ca. 3 kg
Relevante Vorgeschichte
  • Bekannter Morbus Crohn mit Befall des terminalen Ileums seit 3 Jahren
  • Immunsuppressive Dauertherapie mit Azathioprin
  • Appendektomie im 15. Lebensjahr
  • Raucherin
  • Gelegentlicher Alkoholkonsum
  • Keine bekannten Allergien
Körperliche Untersuchung – Allgemeinzustand
  • Blutdruck: 105/65 mmHg
  • Puls: 101/min, tachykard
  • Temperatur: 37,6 °C
  • Sauerstoffsättigung: 98 % unter Raumluft
  • Reduzierter Allgemeinzustand
  • Untergewichtiger Ernährungszustand: 171 cm, 50 kg, BMI ca. 17
Körperliche Untersuchung – Haut / Schleimhäute Blasse, trockene Haut und trockene enorale Schleimhäute
Körperliche Untersuchung – Abdomen Weiches Abdomen mit Druckschmerz im rechten Unterbauch, regelrechte Darmgeräusche, reizlose Narben nach laparoskopischer Appendektomie
Rektale Untersuchung Sichtbare perianale Fistel, digitale Untersuchung schmerzbedingt nicht durchführbar
Bewegungsapparat Symmetrische Schwellung, Rötung und Überwärmung der Finger- und Zehengelenke sowie der Knie- und Sprunggelenke beidseits als extraintestinale Manifestation
Unauffällige Untersuchungen Herz-, Lungen- und neurologischer Status unauffällig
Laborbefunde
  • Hämoglobin: 9,8 g/dl
  • Hämatokrit: 30 %
  • Leukozyten: 13.500/µl
  • CRP: 28 mg/dl
Interpretation Labor
  • Eisenmangelanämie bei chronischer Entzündung: Ferritin erhöht, Eisen und Transferrin erniedrigt
  • Vitamin-B12-, Vitamin-D- und Vitamin-K-Mangel
  • Verlängerte Gerinnung: Quick erniedrigt, INR erhöht
  • Hypoalbuminämie als Zeichen intestinaler Malabsorption
Unauffällige Laborwerte Blutzucker, Nierenfunktion, Elektrolyte und Urinstatus
Endoskopie Ileokoloskopie mit Stufenbiopsien: diskontinuierlicher Befall des terminalen Ileums und einzelner Kolonsegmente
MR-Enterografie Entzündliche Veränderungen im terminalen Ileum, kein Nachweis von Abszessen oder enteralen Fisteln
Bisherige Medikation Azathioprin 100 mg 1–0–0, regelmäßig eingenommen
Zusammenfassende Beurteilung Aktiver Schub eines bekannten Morbus Crohn mit extraintestinaler Gelenkbeteiligung und Zeichen der Malabsorption
Diagnostisches Vorgehen
  • Verlaufskontrollen der Entzündungsparameter
  • Ausschluss infektiöser Ursachen der Diarrhö
  • Engmaschige klinische Überwachung
Therapeutisches Vorgehen
  • Initiale intravenöse Volumentherapie mit isotoner Kochsalzlösung
  • Einleitung einer systemischen Steroidtherapie zur Remissionsinduktion
  • Optimierung bzw. Eskalation der immunsuppressiven Therapie, ggf. Biologika
  • Substitution von Vitaminen und Spurenelementen
  • Ernährungsaufbau
  • Interdisziplinäre Mitbetreuung durch Gastroenterologie und ggf. Rheumatologie

Begrüßung + Anamnese

Guten Tag, Herr Prof. Dr. Hofmann.

Ich möchte Ihnen Frau Roth, 21 Jahre alt, vorstellen, die sich dem Verdacht akuten Schub eines bekannten Morbus Crohn vorgestellt hat.

Die Patientin berichtete über seit etwa zwei Wochen Schmerzen rechten Unterbauch sowie wässrige Diarrhöen. Zusätzlich bestehen Arthralgien, ausgeprägte Fatigue, Leistungsminderung sowie ein ungewollter Gewichtsverlust etwa 3 kg.

Vorerkrankungen ist ein Morbus Crohn mit des terminalen Ileums drei Jahren bekannt. Die Patientin erhält eine Dauertherapie mit Azathioprin 100 mg täglich. Zudem sei im 15. eine Appendektomie durchgeführt worden.

Die Patientin rauche, konsumiere gelegentlich Alkohol und gab keine bekannten Allergien an.

Körperliche Untersuchung

Aufnahme zeigte die Patientin kreislaufstabil einem Blutdruck von 105/65 mmHg, jedoch tachykard mit Herzfrequenz von 101/min. Die Körpertemperatur 37,6 °C, die Sauerstoffsättigung bei 98 % unter Raumluft.

Die Patientin befand sich klinisch reduziertem Allgemein- und Ernährungszustand bei einem BMI von etwa 17. Zusätzlich blasse, trockene Hautverhältnisse sowie trockene Schleimhäute auf.

Das Abdomen war , jedoch druckschmerzhaft im Unterbauch bei regelrechten Darmgeräuschen. Narben nach laparoskopischer Appendektomie waren reizlos.

Rektal zeigte sich sichtbare perianale Fistel; die digital-rektale Untersuchung war schmerzbedingt nicht durchführbar.

Bewegungsapparat fanden sich symmetrische Schwellungen, Rötungen und Überwärmungen der Finger-, Zehen-, Knie- und Sprunggelenke im extraintestinaler Manifestationen.

Der kardiopulmonale sowie neurologische war unauffällig.

Weiteres Vorgehen

zeigten sich erhöhte Entzündungsparameter einer Leukozytose sowie einem CRP von 28 mg/dl. Zudem bestand eine normozytäre Anämie mit Hämoglobin und Hämatokrit.

Des Weiteren ergaben sich Hinweise auf Malabsorption Vitamin-B12-, Vitamin-D- und Vitamin-K-Mangel sowie einer Hypoalbuminämie. Die Gerinnung war verlängert mit erniedrigtem Quick-Wert und erhöhter INR.

In Ileokoloskopie zeigte sich ein Befall des terminalen Ileums sowie einzelner Kolonsegmente. Die MR-Enterografie ergab entzündliche Veränderungen im terminalen Ileum Nachweis Abszessen oder enteralen Fisteln.

Zusammenfassend handelt es sich am ehesten um einen aktiven Schub eines bekannten Morbus Crohn extraintestinaler Gelenkbeteiligung und Zeichen der intestinalen Malabsorption.

Therapeutisch bereits eine initiale intravenöse Volumentherapie isotoner Kochsalzlösung. Geplant sind die einer systemischen Steroidtherapie zur Remissionsinduktion, die Optimierung beziehungsweise Eskalation der immunsuppressiven Therapie gegebenenfalls Biologika, eine Vitamin- und Spurenelementsubstitution sowie ein Ernährungsaufbau.

Zusätzlich sind Verlaufskontrollen der Entzündungsparameter sowie der infektiöser Ursachen der Diarrhö vorgesehen. Die weitere Mitbetreuung erfolgt interdisziplinär gemeinsam der Gastroenterologie und gegebenenfalls der Rheumatologie.

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