Anamnese
Eine 72-jährige Patientin stellt sich wegen epigastrischer Schmerzen in der Notaufnahme vor.
Die Schmerzen begannen vor etwa 2 Stunden in Ruhe und werden als dumpf-drückend beschrieben. Die Schmerzintensität beträgt 6/10. Die Schmerzen sind überwiegend im Oberbauch lokalisiert und strahlen nicht in Rücken, Schultern, Hals oder Arme aus.
Begleitend bestehen Übelkeit sowie mehrfaches Erbrechen. Die Patientin berichtet keine Dyspnoe, keine Palpitationen, keinen Schwindel, keine Synkope, keinen kalten Schweiß und kein Fieber.
Ähnliche Beschwerden seien bereits mehrfach in den vergangenen Monaten aufgetreten und hätten sich jeweils nach Einnahme eines Magenschutzpräparats gebessert.
Vorerkrankungen
- Arterielle Hypertonie
Medikamente
- Ramipril 5 mg
Allergien
- Novalgin
Noxen
- Nichtraucherin
- Kein Alkohol
Körperliche Untersuchung
Allgemeinzustand
- Wach und orientiert
- Leicht reduziert wirkend
- Kein akuter Distress
Vitalparameter
- Blutdruck: 150/80 mmHg
- Herzfrequenz: 95/min, regelmäßig
- Atemfrequenz: 16/min
- SpO₂: 98 % unter Raumluft
- Temperatur: 36,8 °C
Herz-Kreislauf
- Regelmäßiger Herzrhythmus
- Normale Herztöne
- Keine Herzgeräusche
- Keine Halsvenenstauung
- Periphere Pulse seitengleich tastbar
Lunge
- Vesikuläres Atemgeräusch beidseits
- Keine Rasselgeräusche
- Keine Giemen oder Brummen
Abdomen
- Weich
- Leichter Druckschmerz im Epigastrium
- Kein Loslassschmerz
- Keine Abwehrspannung
- Keine tastbaren Resistenzen
- Darmgeräusche regelrecht
Extremitäten
- Keine Ödeme
- Keine Zeichen einer tiefen Venenthrombose
Neurologischer Status
- Unauffällig
EKG
Zusammenfassung und Bedeutung
Regelmäßiger Sinusrhythmus mit einer Herzfrequenz von etwa 100/min. Schmale QRS-Komplexe, normale PQ- und QT-Zeit sowie keine pathologischen ST-T- oder Q-Wellen-Veränderungen. Insgesamt kein Hinweis auf eine akute Ischämie, relevante Erregungsleitungsstörung oder Rhythmusstörung.
1. Wie würden Sie weiter vorgehen?
A) Entlassung mit der Verdachtsdiagnose Gastritis.
B) Bestimmung eines hs-Troponins und weitere Abklärung eines möglichen akuten Koronarsyndroms trotz unauffälligem EKG und gebesserter Beschwerden.
C) Stationäre Aufnahme zur 12-stündigen Überwachung.
D) Sofortige Einleitung des ACS-Akutschemas (z. B. ASS, Heparin, P2Y12-Hemmer).
E) Wiederholung des 12-Kanal-EKGs nach 30–60 Minuten bzw. bei erneuter oder zunehmender Symptomatik.
2. War ein 12-Kanal-EKG in diesem Fall überhaupt indiziert?

