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Demenz oder Alkoholfolge?

Fallbeispiel

Ein 55-jähriger Patient stellt sich gemeinsam mit seiner Ehefrau in Ihrer Praxis vor. Hauptbeschwerden sind eine zunehmende Vergesslichkeit, insbesondere bezüglich Ereignissen der vergangenen Tage, sowie Konzentrationsstörungen im Alltag.

Die Ehefrau berichtet, dass sich sein Verhalten bereits seit etwa zwei Jahren verändert habe. Er nehme kaum noch am sozialen Leben teil, unternehme nichts mehr und wirke gegenüber seiner Umgebung zunehmend gleichgültig. Diese Veränderungen seien von Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen begleitet gewesen. Seit etwa zwei Monaten hätten sich die Beschwerden deutlich verschlechtert.

Laut Angaben des Patienten konsumiert er seit etwa 25 Jahren regelmäßig Alkohol. In den ersten zehn Jahren trank er täglich Bier und rauchte. Im weiteren Verlauf kamen zusätzlich Wodka-Mischgetränke hinzu: zunächst einmal wöchentlich, später zweimal wöchentlich und im letzten Jahr etwa dreimal pro Woche. Dabei mischt er jeweils etwa 30 ml Wodka in sein Bier.

Der Patient ist derzeit arbeitslos. Seine Ehefrau berichtet: „An vielen Morgen komme er erst nach einem Shot Alkohol richtig in Gang.“

Während des Gesprächs ist der Patient wach, wirkt jedoch verwirrt. Sein Erscheinungsbild ist ungepflegt. Auffällig ist außerdem eine linksseitige Ptosis, die nach Angaben der Ehefrau vor einigen Monaten begonnen hat und anfangs nur leicht ausgeprägt war.

In der kognitiven Untersuchung beantwortet der Patient nahezu jede Frage und erzählt dabei ausführlich von vergangenen Erlebnissen. Die Orientierung zu Zeit, Ort und Person ist erhalten. Auffällig sind jedoch Störungen der Aufmerksamkeit und Konzentration. Das abstrakte Denken und das Urteilsvermögen sind ebenfalls eingeschränkt.

In der neurologischen Untersuchung zeigt sich eine deutliche Störung der Augenbeweglichkeit links. Ein Marcus-Gunn-Zeichen ist nicht nachweisbar. Die zerebellären Koordinationstests sind unauffällig. Es besteht jedoch eine Gangstörung. Außerdem berichtet der Patient über Kribbeln und Taubheitsgefühle in beiden Händen. Im Übrigen ist die neurologische Untersuchung unauffällig.

Die Ehefrau berichtet, dass der Alkoholkonsum inzwischen ein kritisches Ausmaß erreicht habe. Zudem sei bereits eine Fettleber diagnostiziert worden. Außerdem leide der Patient unter Appetitlosigkeit. Sie wünsche sich dringend, dass der Alkoholkonsum beendet wird.

Der letzte Alkoholkonsum erfolgte etwa zwei Stunden vor der Vorstellung.

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