Was ist eine Blutgasanalyse?
Die Blutgasanalyse, kurz BGA, ist eine schnelle Untersuchung von Vollblut. Sie liefert innerhalb weniger Minuten wichtige Informationen ĂŒber:
- SĂ€ure-Basen-Haushalt
- Ventilation und COâ-Elimination
- arterielle Oxygenierung
- Gewebeperfusion und Laktat
- je nach GerÀt auch Elektrolyte, Glukose, HÀmoglobin und Kohlenmonoxid-HÀmoglobin
Die wichtigsten gemessenen Werte sind pH, pCOâ und pOâ. Bikarbonat und Base Excess werden meistens aus den gemessenen Werten berechnet.
Je nach Entnahmeort unterscheidet man:
- ABG: arterielle Blutgasanalyse
- VBG: venöse Blutgasanalyse
Wann wird eine BGA durchgefĂŒhrt?
Eine BGA wird insbesondere bei Atemnot, Verdacht auf respiratorische Insuffizienz, Störungen des SĂ€ure-Basen-Haushalts, Schock, Sepsis, Ketoazidose sowie zur Ăberwachung einer Sauerstoff- oder Beatmungstherapie durchgefĂŒhrt.
-
akute Exazerbation einer COPD
-
schwere Asthmaexazerbation
-
schwere Pneumonie mit respiratorischer Insuffizienz
-
diabetische Ketoazidose
-
Sepsis oder septischer Schock
Wie viel Blut wird benötigt?
In der Regel werden etwa 1â2 ml Vollblut in einer heparinisierten BGA-Spritze benötigt. Die genaue Menge richtet sich nach dem verwendeten AnalysegerĂ€t.
Welche Werte unterscheiden sich?
| Parameter | Arteriell | Peripher-venös | Praktischer Unterschied |
|---|---|---|---|
| pH | 7,35â7,45 | etwa 7,31â7,41 | Venös meist 0,02â0,04 niedriger |
| pCOâ | 35â45 mmHg | etwa 41â51 mmHg | Venös hĂ€ufig 3â8 mmHg höher |
| HCOââ» | 22â26 mmol/l | etwa 23â29 mmol/l | Venös meist geringfĂŒgig höher |
| BE | â2 bis +2 mmol/l | Ă€hnlich | Meist klinisch gut vergleichbar |
| pOâ | etwa 80â100 mmHg | hĂ€ufig 30â40 mmHg | Nicht direkt vergleichbar |
| sOâ | meist ĂŒber 95 % | stark variabel | Venös nicht zur Beurteilung der Oxygenierung |
Interpretation

Welche VerĂ€nderung erklĂ€rt den pH-Wert: der pCOâ oder das HCOââ»?
Liegt eine AzidĂ€mie vor, prĂŒfen Sie:
- Ist der pCOâ erhöht? â respiratorische Azidose
- Ist das HCOââ» erniedrigt? â metabolische Azidose
- Sind pCOâ erhöht und HCOââ» erniedrigt? â kombinierte respiratorische und metabolische Azidose
Liegt eine AlkalĂ€mie vor, prĂŒfen Sie:
- Ist der pCOâ erniedrigt? â respiratorische Alkalose
- Ist das HCOââ» erhöht? â metabolische Alkalose
- Sind der pCOâ erniedrigt und das HCOââ» erhöht? â kombinierte respiratorische und metabolische Alkalose
Es ist entscheidend, die primĂ€re Störung festzustellen, also zu bestimmen, ob die VerĂ€nderung des pCOâ, des HCOââ» oder beider Werte den pH-Wert erklĂ€rt.
Vereinfachte Version


Beispiel
Eine 31-jÀhrige Frau entwickelt plötzlich Atemnot und stechende, atemabhÀngige Brustschmerzen. Sie nimmt ein kombiniertes orales Kontrazeptivum ein.
Untersuchung:
Ăngstlich, Puls 118/min, AF 30/min, SpOâ 88 % unter Raumluft.
Kreatinin: 0,7 mg/dl
Probe: arterielles Blut aus der A. radialis, Raumluft
- pH: 7,50
- pCOâ: 28 mmHg
- pOâ: 57 mmHg
- HCOââ»: 22 mmol/l
- BE: â1 mmol/l
- Laktat: 1,8 mmol/l
Interpretation
- pH 7,50: erhöht â AlkalĂ€mie
- pCOâ 28 mmHg: erniedrigt und erklĂ€rt die AlkalĂ€mie â primĂ€re respiratorische Alkalose
- HCOââ» 22 mmol/l: passend zur akuten Kompensation
Berechnung:
Der pCOâ ist um 12 mmHg erniedrigt. Bei einer akuten respiratorischen Alkalose sinkt das HCOââ» pro 10 mmHg pCOâ-Abfall um etwa 2 mmol/l:
Kompensation ĂŒberprĂŒfen
Eine Kompensation sollte in die richtige Richtung gehen. Eine deutlich stĂ€rkere oder schwĂ€chere VerĂ€nderung spricht fĂŒr eine zusĂ€tzliche Störung.
Metabolische Azidose
Winter-Formel:
pCO2, erwartetâ=1,5ĂHCO3ââ+8±2
Metabolische Alkalose
pCO2, erwartetâ=40+0,7Ă(HCO3âââ24)±2
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