Patient: Herr Daniel Weber, 34 Jahre, Industrieelektriker
Vorstellungsgrund
Der Patient stellt sich aufgrund seit Jahren bestehender Konzentrationsprobleme und zunehmender Schwierigkeiten im Berufs- und Privatleben in der psychiatrischen Ambulanz vor.
Anamnese
Der Patient berichtet, dass er sich seit seiner Kindheit nur schwer konzentrieren könne. Er sei leicht ablenkbar und schaffe es hĂ€ufig nicht, Aufgaben bis zum Ende durchzufĂŒhren. BĂŒcher lese er selten vollstĂ€ndig; meist verliere er bereits nach wenigen Seiten das Interesse. Auch in GesprĂ€chen könne er sich oft nur auf den Anfang konzentrieren und mĂŒsse spĂ€ter nachfragen, weil ihm wichtige Informationen entgangen seien.
AuĂerdem verlege er regelmĂ€Ăig persönliche GegenstĂ€nde wie SchlĂŒssel, Geldbeutel oder Smartphone und komme hĂ€ufig zu spĂ€t, weil er sich schlecht organisieren könne.
Die Beschwerden seien dauerhaft vorhanden und nicht phasenweise aufgetreten.
Der Patient beschreibt sich zudem als impulsiv. Vor einigen Monaten habe er nach einem etwa zehnsekĂŒndigen Instagram-Video spontan einen gröĂeren Geldbetrag in eine KryptowĂ€hrung investiert, ohne sich vorher nĂ€her zu informieren. Das Geld habe er anschlieĂend fast vollstĂ€ndig verloren.
Auch im Berufsalltag neige er dazu, Sicherheitsvorschriften zu ignorieren oder Arbeitsschritte abzukĂŒrzen, obwohl ihm mögliche Risiken bewusst seien.
ZusĂ€tzlich berichtet der Patient ĂŒber eine innere Unruhe. Er könne schlecht lange still sitzen, bewege hĂ€ufig HĂ€nde oder Beine und habe das GefĂŒhl, stĂ€ndig beschĂ€ftigt sein zu mĂŒssen.
Substanzanamnese
In der Jugend habe er regelmĂ€Ăig Cannabis konsumiert. Gelegentlich rauche er heute noch Cannabis. Alkohol trinke er bei gesellschaftlichen AnlĂ€ssen, andere Drogen werden verneint.
Psychiatrische Anamnese
Eine psychiatrische Behandlung habe bisher nicht stattgefunden.
Auf Nachfrage berichtet der Patient, dass er nie Phasen von mehreren Tagen mit deutlich gehobener Stimmung, vermindertem SchlafbedĂŒrfnis, GröĂenideen oder auĂergewöhnlich gesteigertem Antrieb erlebt habe.
Auch depressive Episoden seien ihm nicht bekannt.
Entwicklungsanamnese
Bereits in der Grundschule hĂ€tten Lehrer hĂ€ufig ĂŒber Konzentrationsprobleme berichtet. Hausaufgaben seien oft unvollstĂ€ndig gewesen, Materialien habe er regelmĂ€Ăig vergessen.
Die Mutter habe ihm mehrfach erzÀhlt, dass er bereits als Kind sehr unruhig gewesen sei und stÀndig in Bewegung gewesen sei.
Familienanamnese
Der Vater sei nie offiziell diagnostiziert worden, habe jedoch Àhnliche Schwierigkeiten gehabt. Er sei unorganisiert gewesen, habe hÀufig Arbeitsstellen gewechselt und stÀndig GegenstÀnde verlegt.
Ein jĂŒngerer Bruder habe eine gesicherte ADHS-Diagnose.
Es besteht keine Familienanamnese fĂŒr bipolare Störungen.
Medikamentenanamnese
Keine Dauermedikation.
Der Patient erhielt bisher keine Stimmungsstabilisatoren (z. B. Lithium oder Valproat), sodass auch keine frĂŒhere Besserung unter einer Bipolar-Therapie bekannt ist.
